Unter roten Ziegeln
Sanierung des Amtsgerichts Rheinberg beendet
Nach intensiven Bauarbeiten sind Dach, Dachstuhl, Fassade sowie der Innenbereich des Mansardengeschosses vollständig erneuert.
Als vor 110 Jahren die roten Dachziegel auf das Amtsgericht Rheinberg gesetzt wurden, machte das Wetter den Bauleuten einen Strich durch die Rechnung. Regen und Kälte verzögerten damals die Fertigstellung des Gebäudes an der Rheinstraße. Mehr als ein Jahrhundert später stand das Dach wieder im Mittelpunkt und wieder sollte das Wetter eine entscheidende Rolle spielen. Doch darauf bereiteten sich die Projektverantwortlichen der Niederlassung Duisburg vor. Sie planten, das historische Gebäude zu sanieren, das Dach zu erneuern und dabei den Betrieb des Amtsgerichts nicht zu stören. Der entscheidende Faktor lag neben der Planung in einer Konstruktion, die das Gebäude zeitweise wie eine schützende Mütze umhüllte. Die „Gerüst-Mütze“ machte es möglich, unabhängig vom Wetter zu arbeiten. Dachdeckung und Dachstuhl konnten so Schritt für Schritt zurück gebaut und neu errichtet werden, während in den Etagen darunter weitergearbeitet wurde.
„Bei der Sanierung ging es nicht nur darum, Schäden zu beseitigen, sondern wir wollten sowohl die Energieeffizienz als auch die Nachhaltigkeit des Gebäudes deutlich verbessern und zugleich das Erscheinungsbild bewahren“, erklärt Till Neschen, Leiter der Duisburger Niederlassung des BLB NRW, bei einer symbolischen Schlüsselübergabe an die Amtsleitung.
Neu mit altbekannter Optik
Während über den Köpfen das Dach und der Dachstuhl in altbekannter Optik neu entstanden, wurde im Mansardengeschoss ab Juni 2025 nahezu alles verändert. Die Etage wurde neu aufgebaut. Wände wurden eingezogen, die Raumzuschnitte angepasst und moderne Sanitärräume geschaffen. Alle Räume erfüllen die Anforderungen eines zeitgemäßen Gerichtsbetriebs und Arbeitsumfeldes. Bodenbeläge, Farbgestaltung und LED-Beleuchtung wurden so gewählt, dass eine angenehme Arbeitsumgebung entsteht. Das Ergebnis ist eine Etage, die funktional gestaltet ist und sich harmonisch in das historische Gebäude einfügt.
„Wir sind froh, dass nicht nur der Standort hier in Rheinberg, sondern auch das ursprüngliche und ganz besonders schöne Erscheinungsbild des Altbaus unseres Amtsgerichts durch die gewählte Art der Sanierung erhalten werden konnte", betont Tim Buschfort, Direktor des Amtsgerichts Rheinberg.
Energetische Erneuerungen
Neben der Sanierung des Daches wurden insgesamt 28 Fenster ausgetauscht. Die neuen Fenster entsprechen den Sicherheitsanforderungen der Justiz, reduzieren den Wärmeverlust deutlich und tragen langfristig zur Senkung des Energieverbrauchs bei. Darüber hinaus umfasste die Fassadensanierung den partiellen Austausch beschädigter Klinkersteine sowie die vollständige Erneuerung aller Fugen, um die Bausubstanz dauerhaft vor Witterungseinflüssen zu schützen.
Ergänzend zu den Maßnahmen wurde auch die Energieversorgung zukunftsorientiert erweitert: Während der Bauarbeiten am älteren Gebäudeteil wurden auf dem Dach des Anbaus aus den 1990er Jahren insgesamt 118 Photovoltaik-Module installiert. Die Anlage kann einen Jahresertrag von etwa 46.000 Kilowattstunden erzielen. Je nach Verbrauchssituation werden davon etwa 30 Prozent direkt im Gebäude genutzt, während nicht benötigte Strommengen in das öffentliche Netz eingespeist werden. Rein rechnerisch können damit etwa zwölf Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden.
Mit Abschluss der Sanierungsarbeiten ist das Amtsgericht Rheinberg instandgesetzt. Unter dem roten Ziegeldach verbindet das Gebäude jetzt historische Substanz mit Energieeffizienz.
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Liane Karsten