Wenn Gebäude sprechen lernen

4.000 Gebäude, Millionen Quadratmeter Fläche – und ein gemeinsames Ziel: Der BLB NRW möchte seine Immobilien systematisch erfassen, bewerten und besser steuern. Die Software AiBATROS unterstützt dabei. Wie und welche Daten erfasst werden, zeigt ein Besuch beim Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) in Essen.

Es ist ein sonniger Vormittag im Süden der Ruhrgebietsstadt Essen. Auf dem Gelände des LANUK summen Insekten, zwitschern Vögel, blühen die angelegten Wiesen. Nichts deutet in dieser Idylle auf digitale Transformation hin. Doch genau darum geht es im Gebäudeinneren: um Digitalisierung. Frederik Walter steht im Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes, Tablet in der einen, Notizbuch in der anderen Hand. Walter ist in unserer Niederlassung Duisburg tätig und Mitglied des AiBATROS-Teams. Heute erfasst er das erste von mehreren Gebäuden des LANUK: Raum für Raum, Leitung für Leitung, Fläche für Fläche. „Wenn alle Informationen vollständig sind, kann die Software den Zustand des Gebäudes präzise analysieren“, erklärt Walter. Das Gebäude wird so digital lesbar und gezielt steuerbar.

Ein großes Portfolio nachhaltig managen

  • 4.000 Gebäude im Portfolio des BLB NRW
  • Standort der Piloterfassung: LANUK, Essen
  • Ziel: Vorausschauendes, nachhaltiges Immobilienmanagement

Detektivarbeit im Gebäudeinneren

Frederik Walter vom AiBATROS-Team der Niederlassung Duisburg erfasst Raum für Raum: Wände, Decken, Fenster, Materialien, technische Anlagen und deren Alter. Jedes Bauteil wird einer Zustandsklasse zugeordnet. Dabei stößt das Team immer wieder auf Überraschungen – Anlagen, die in keinem Plan verzeichnet sind, doppelte Flächenangaben oder widersprüchliche Einträge. „Das ist wie Detektivarbeit", sagt Walter.

Mann mit Brille steht lächelnd vor einer technischen Anlage mit Rohren, Ventilen und einer Pumpensteuerung.
© BLB NRW

Jede Anlage zählt: Frederik Walter bei der Erfassung der technischen Gebäudeausrüstung – Heizungsanlagen, Pumpen und Leitungen werden detailliert dokumentiert und in AiBATROS eingespeist.


Mehr als Software – ein Steuerungsinstrument

AiBATROS erkennt Sanierungsbedarfe, berechnet CO₂-Werte und ermittelt Kosten. Es schlägt Minimal-, Plan- und Vollsanierungen vor und unterstützt die Mehrjahresbudgetierung. „Am Ende entsteht ein digitales Abbild des Gebäudes – dynamisch, lernfähig und strategisch nutzbar", erklärt Walter. Doch dafür muss das System erst mit Daten gefüttert werden: Haus für Haus, Schritt für Schritt.

Büroarbeitsplatz mit zwei Monitoren – auf dem linken Bildschirm ist ein AiBATROS-Bericht zu sehen.
© BLB NRW

Vom Gebäude zum Bericht: AiBATROS generiert auf Basis der erfassten Daten einen strukturierten Ist-Zustand-Bericht – hier am Beispiel eines Verwaltungsgebäudes der Staatsanwaltschaft Duisburg, erfasst von Frederik Walter, Niederlassung Duisburg.


Von einfach bis komplex – ein wachsendes Projekt

Begonnen wurde mit standardisierten Verwaltungsgebäuden wie Finanzämtern. In der nächsten Phase folgen Labore, Forschungseinrichtungen und ganze Hochschulcampus. Gesamtprojektleiter Wolfgang Kill beschreibt die Dimension: Der BLB NRW schaffe eine optimierte Datengrundlage im öffentlichen Gebäudemanagement, wie sie bislang nur selten zu finden sei – ein strategischer und technischer Quantensprung.

Gabriele Willems, Geschäftsführerin BLB NRW
"Die geschaffene Datengrundlage ist die Voraussetzung dafür, Gebäude vorausschauend zu bewirtschaften und Investitionen gezielt zu planen. So wird aus Immobilienverwaltung strategisches Immobilienmanagement."
  • Hand hält ein Tablet mit der AiBATROS-App, auf der eine Liste von Gebäudeobjekten erkennbar ist.
    © BLB NRW
    Objekt für Objekt:

    Die AiBATROS-App auf dem Tablet zeigt die strukturierte Erfassungsliste aller Gebäudeeinheiten eines Standorts, von der Erfassung vor Ort direkt ins System.

  • Mann kniet auf dem Boden und fotografiert mit seinem Smartphone den unteren Bereich eines Holzfensters mit Balkonzugang.
    © BLB NRW
    Kein Detail zu klein:

    Frederik Walter dokumentiert den Zustand eines Fensterelements, jede Materialangabe und jeder Befund fließt direkt in die Gebäudedatenbank ein.

  • Person von hinten zeigt mit dem Finger auf ein kleines Display an einem technischen Schaltschrank.
    © BLB NRW
    Anlagenerfassung:

    Auch die Steuerungselemente der technischen Gebäudeausrüstung fließen vollständig in die Datenbank ein. 

  • Mann fotografiert mit dem Smartphone die Unterseite eines Waschbeckens mit sichtbaren Leitungen.
    © BLB NRW
    Fotografische Erfassung:

    Sanitäranlagen, Leitungen, technische Geräte. Alles wird dokumentiert, auch wenn es auf den ersten Blick unscheinbar wirkt.

  • Mann steht zwischen zwei dicht befüllten Regalreihen mit schwarzen und grünen Aktenordnern in einem Archivraum.
    © BLB NRW
    Von analog zu digital:

    Vor der Erfassung in AiBATROS stecken oft jahrzehntelange Bestandsdaten in Papierarchiven. Die Digitalisierung schafft erstmals einen vollständigen, aktuellen Überblick. 

  • Drei Männer stehen in einem Technikraum mit Kabeltrassen und schauen gemeinsam auf ein Smartphone.
    © BLB NRW
    Teamarbeit vor Ort:

    Das AiBATROS-Team bespricht Erfassungsdaten direkt im Technikraum. Fast jede Niederlassung des BLB NRW ist an der gemeinsamen Datenerfassung beteiligt. 

  • Großflächige Solaranlage auf einem Flachdach, umgeben von blühender Begrünung vor blauem Himmel.
    © BLB NRW
    Nachhaltigkeit sichtbar gemacht:

    Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des LANUK-Gebäudes in Essen: Anlagen wie diese werden in AiBATROS erfasst und fließen in die Berechnung der CO2-Bilanz ein. 

  • Mann mit Brille steht mit einem Klemmbrett vor einem mehrstöckigen Gebäude und blickt an der Fassade hinauf.
    © BLB NRW
    Der Blick fürs Ganze:

    Vor Ort nimmt Walter die Fassade des Gebäudes genau auf. 

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