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Polizei & Inneres

Regionales Trainingszentrum für die Dortmunder Polizei

Einsatztraining unter realistischen Bedingungen

Am ehemaligen Standort des Materialprüfungsamts NRW hat der BLB NRW für die Polizei zwei leerstehende Hallen zum Regionalen Trainingszentrum Ruhrgebiet Ost (RTZ RO) umgebaut. Hier proben die Polizeibeamtinnen und -beamten realitätsnah verschiedene Einsatzszenarien.

Training für den Ernstfall

„Die trainierenden Polizistinnen und Polizisten nennen das Einsatztraining häufig auch ‚Überlebenstraining'. Es muss das Ziel sein, dass unsere Kollegen gesund und unversehrt aus dem Dienst nach Hause zurückkehren. Das neue Regionale Trainingszentrum bietet dafür optimale Bedingungen", macht der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange bei der Eröffnung des neuen Trainingszentrums der Polizei im Mai 2016 deutlich. Auf über 16.600 Quadratmetern Fläche trainieren bereits seit Anfang des Jahres 2016 rund 3.300 Polizisten aus Dortmund, Unna, Soest und Hagen polizeiliche Alltagssituationen. Der Inspekteur der Polizei NRW, Herbert Heinen, betont: „Die Gewaltbereitschaft gegenüber unseren Beamten nimmt zu. Pöbeleien und Beleidigungen sind an der Tagesordnung. Alltägliche Einsätze können plötzlich eskalieren." 


Trainingszentrum benötigt ganz besondere Voraussetzungen

In Schloß Holte-Stukenbrock bei Bielefeld errichtete der BLB NRW erstmalig ein Trainingszentrum für die Polizei. Dort setzte man auf einen Neubau. Die Polizei-Liegenschaft bot genug Platz, um die Musterplanung des Innenressorts idealtypisch umzusetzen. 
In Dortmund hatte Holtmann allerdings schnell eine andere Idee, als auch dort ein RTZ geplant werden sollte. Vier Schießbahnen wollte die Polizei haben – und die, das war rasch klar, würden genau in die alte MPA-Halle 16 passen. Die benachbarte Halle 15 schien bestens geeignet, um das gewünschte Trainingshaus aufzunehmen.
Als die beiden Hallen in den 1980er Jahren errichtet wurden, war Matthias Holtmann schon Bauleiter auf dem Gelände. Enorme Mengen Beton seien damals verbaut worden, um die Hallen für die immensen Kräfte zu wappnen, die bei den Tests an den Bergbauschilden entfesselt werden sollten. „Es wäre gar nicht so einfach gewesen, diese Hallen abzureißen“, sagt Holtmann. „Die sind sehr robust. Gut so, denn beim Polizeitraining geht es ja schließlich auch ganz schön zur Sache.“ Heute sind die alten Hallen, abgesehen von der Fassade, kaum mehr wiederzuerkennen. 

Über Monate wurde zunächst die technische Entkernung durchgeführt. Es mussten massive Einrichtungen wie Prüfstände, Kompressoren und hydraulische Systeme demontiert werden, um Platz für die neue Verwendung zu schaffen. Der technische Rückbau begann Anfang 2014 und wurde im August des Folgejahres abgeschlossen. Den Rest des Jahres 2015 nutzte die Polizei für ihre Einbauten. Bereits seit 2016 wird hinter den dicken Betonmauern für den Ernstfall geübt.

© BLB NRW
Zwei Hallen, die früher das Materialprüfungsamt beherbergten, sind für das Trainingszentrum der Polizei umgebaut worden.
© BLB NRW
Oberkomissar Marc Rogner vom RTZ-Seminarbüro zeigt die Bilder der Überwachungskameras, die den Übungsleitern eine detaillierte Manvöverkritik ermöglichen.
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Von der Zusammenarbeit zeigten sich alle Mitglieder des Projektteams für das Regionale Trainingszentrum begeistert.
© BLB NRW
Eine der Hallen bietet Raum für vier Schießstände, auf deren rückwärtige Wände verschiedene Zeile projiziert werden können.
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Das Trainingszentrum der Polizei bietet verschiedene Einsatzorte, um mögliche Szenarien zu proben. So gibt es beispielweise eine Kneipe (s. o.) oder auch ein Klassenzimmer.
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In einigen Bereichen wurden extra weiche Böden verlegt, damit es beim Training zu keinen unnötigen Verletzungen kommt.
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Das Trainingszentrum in Dortmund bietet die Möglichkeit, eine Halle mit Einsatzfahrzeugen zu befahren, um auch das Vorgehen in Einsätzen mit Polizeiautos zu proben.
© BLB NRW
Die Rammentür im Trainingszentrum vrfügt über starke Elektromagnete, die den Widerstand bestimmen, den die Beamten überwinden müssen, wenn sie die Tür mit Gewalt überwinden müssen. Die Spuren auf dem verstärkten Türblatt zeigen, dass es dabei ganz schön zur Sache geht.
Kneipe, Kiosk und Klassenzimmer als typische Einsatzorte unter einem Dach vereint

Die Vorteile, die die Hallen mit sich bringen, kann Polizeioberkommissar Marc Rogner vom RTZ-Seminarbüro bestätigen: Rund eine Millionen Schuss Einsatzmunition werden im RTZ pro Jahr abgefeuert. Eine rechnerunterstütze interaktive Videoanlage projiziert virtuelle Ziele auf die Wände der vier Schießbahnen. Im Trainingshaus gegenüber sind typische Einsatzorte nachgebildet: Gewahrsam, Bankschalter, Laden, Kneipe, Täterwohnung, Klassenzimmer. Weiche Gummiböden schützen in bestimmten Bereichen vor unnötigen Trainingsverletzungen. Vom Regieraum aus können das Licht gesteuert, Geräusche eingespielt und sogar Nebelmaschinen aktiviert werden. Auf Monitoren ist zu sehen, was die überall im Haus verbauten Kameras für die spätere „Manöverkritik“ aufzeichnen. An einer sogenannten „Rammentür“ trainieren die Beamten, eine Tür mit Gewalt zu öffnen. Dafür wurden in das Mauerwerk spezielle Elektromagnete eingebaut, die den Widerstand der Tür variieren können. Bei Stufe 4 muss mit einer Ramme gearbeitet werden. Türblatt, Rahmen und Mauer sind entsprechend verstärkt.

Enge Zusammenarbeit von BLB NRW und der Polizei

Alle baulichen und technischen Details des neuen RTZ wurden mit der Polizei eng abgestimmt. Auch aus „Kinderkrankheiten“ des Vorläufers in Schloß Holte-Stukenbrock hat man gelernt und zum Beispiel bessere Lautsprecher eingebaut. „Unserem Motto sind wir trotzdem treu geblieben: So viel wie nötig und so wenig wie möglich“, sagt Matthias Holtmann. Ein kompletter Neubau, da ist er sich sicher, wäre teurer gekommen, ohne dass er der Polizei mehr geboten hätte. Der Mut zu dieser kreativen Lösung hat sich gelohnt. Die Polizeibeamten sind hochzufrieden mit den exzellenten Trainingsbedingungen im Regionalen Trainingszentrum Ruhrgebiet Ost. 

Zahlen und Fakten

•    Baukosten: rund 15 Millionen Euro
•    Beginn technischer Rückbau: 24. Januar 2014 
•    Baubeginn: 1. April 2014 
•    Fertigstellung: 3. August 2015 
•    Mietereinbauten: bis Ende 2015 
•    Trainingsbeginn: Anfang Januar 2016 
•    Mietfläche: rund 5.100 Quadratmeter
•    4 Schießbahnen (2 x 15 Meter und 2 x 25 Meter), Trainingshaus, befahrbare Trainingshalle mit Ringstraße, Seminarräume und Büros, Technikzentrale im Dachgeschoss für Lüftung und Heizung, Instandsetzungsbereich
 

Sinnvolle Nachnutzung einer Bestandsimmobilie

Für den BLB NRW war das Projekt in mehrfacher Hinsicht ein großer Erfolg: Als „Immobilienunternehmen des Landes“ ist es eine von vielen Aufgaben des BLB NRW, Liegenschaften, die nicht mehr zu ihrer ursprünglichen Verwendung benötigt werden, wenn möglich einem neuen Zweck zuzuführen. So ergab es sich, dass dort, wo früher das Materialprüfungsamt (MPA) NRW die für den Kohleabbau unter Tage gedachten Bergbauschilde getestet hat, jetzt mit Munition geschossen wird. Die Umnutzung einer Bestandsimmobilie muss immer gut überlegt werden: „Zuvor bestand das Objekt eine wirtschaftliche und funktionale Überprüfung. Hinzu kam, dass der Standort in Aplerbeck, im Osten von Dortmund und gleich an der A40 gelegen, verkehrstechnisch ideal angebunden ist“, beschreibt Projektleiter Matthias Holtmann die Standortvorteile.

Über Jahrzehnte hinweg war das MPA der beinahe alleinige Nutzer des Geländes an der Marsbruchstraße in Dortmund. Nachdem es Aufgaben reduziert und Gebäude aufgegeben hat, musste Holtmann neue Nutzer finden. „Das ist wie puzzeln“, sagt er. Eine alte Halle, in der einst Dummys durch Autoscheiben flogen, hat er an die Bezirksregierung Arnsberg vermietet, die dort Akten lagert. In zwei kleineren Gebäuden sitzt seit vielen Jahren der Landesbetrieb Mess- und Eichwesen. Die Polizei ist nun also der vierte Mieter auf der einstmals so homogenen Landesliegenschaft. Holtmann stellt sich auch den damit einhergehenden logistischen Herausforderungen: Für das MPA muss die Pforte nur tagsüber besetzt sein, die Polizei aber braucht für mögliche spezielle Einsatzlagen Zufahrtskontrollen rund um die Uhr. 

An erster Stelle steht bei den Planungen des BLB NRW natürlich immer, dass, in enger Absprache, die bestmögliche Lösung für den jeweiligen Kunden gefunden wird. Dass die leerstehenden Hallen in Dortmund-Aplerbeck geeignete Voraussetzungen für die Bedürfnisse der Polizei bot, war für alle Beteiligten ideal.
 


Nachgefragt bei
Marc Rogner
Polizeioberkommissar beim RTZ-Seminarbüro
Waren Sie von Anfang an überzeugt davon, dass die leerstehenden Hallen als Unterbringung für das Trainingszentrum geeignet sind?

Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als ich zum ersten Mal in dieser Halle gestanden habe. Es hat in Strömen geregnet. Und das Wasser lief an den Wänden herunter – wohlgemerkt von innen. Da habe ich mich schon gefragt, wie das funktionieren soll und ob das wohl gut wird.

Und ist es gut geworden?

Wir sind sehr zufrieden mit den optimalen Möglichkeiten im RTZ, denn wir können hier unter sehr realitätsnahen Bedingungen trainieren. Ich gehöre ja dem Polizeipräsidium Dortmund an, das lange Zeit ohne eigene Raumschießanlage auskommen musste. Unsere 2.200 Beamtinnen und Beamten mussten immer anderswohin ausweichen und dort häufig abends trainieren, wenn die Bahnen dort frei waren. Das war keine gute Situation. Aber von solchen Zuständen sind wir hier ja nun zum Glück Lichtjahre entfernt.

Was ist Ihre Aufgabe im Seminarbüro des RTZ?

Wir sind hier zu elft und organisieren den Betrieb im RTZ. Die Polizeibehörden Dortmund, Hagen, Soest und Unna beschäftigen immerhin 3300 Beamtinnen und Beamte. Wir koordinieren, wer von ihnen wann welche Schießbahn oder welchen Bereich im Trainingshaus nutzen darf, damit es nicht zu Terminkollisionen kommt.

Vielen Dank für das Gespräch!


Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:

Jörg Fallmeier, Pressesprecher BLB NRW Dortmund
Jörg Fallmeier
T: +49 231 99535 - 250


Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:

Daniela Schäfer, Presse und Kommunikation BLB NRW Dortmund
Daniela Schäfer
T: +49 231 99535 715

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