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Finanzverwaltung

Oberfinanzdirektion NRW in Münster

Mehr Effizienz durch intelligente Fassade

Klinkerfassade und fast 200 Stellplätze für Fahrräder – der Neubau der Oberfinanzdirektion NRW in Münster ist gleich doppelt typisch für die zweiradaffine Stadt in Westfalen. Seine ausgeklügelte Architektur und die intelligente Fassade reduzieren den Energieverbrauch. Mit einer öffentlichen Kantine und einer Bibliothek, die beide für Besucher zugänglich sind, zeigt sich die Behörde bürgernah.

Zahlen und Fakten

  • Baubeginn: 11/2013
  • Fertigstellung: 04/2016
  • Bruttogrundfläche: rund 20.500 m2
  • Gesamtinvestition: 51,1 Mio. €
  • Besonderheit: Betonkerntemperierung
Außen traditionell, innen modern

Der Neubau der Oberfinanzdirektion Münster (OFD) ist die perfekte Verbindung von Althergebrachtem und Moderne. Traditionelle, rote Backsteine prägen das Äußere. Auch das nur einige Kilometer entfernte Barockschloss Nordkirchen, wo das Land NRW angehende Finanzbeamte ausbildet, ziert eine für das Münsterland so typische Backsteinfassade. Das habe den Entschluss zum Klinker nur bestätigt, sagt Jochen Schuster, einer der beiden verantwortlichen Architekten. „Von einer Finanzverwaltung erwarten wir Seriosität, Verlässlichkeit, Kontinuität und Vertrauen. Alles Eigenschaften, die man auch auf das Material übertragen kann.“ So steht nicht nur das alte, sondern auch das neue Gebäude für bewährte westfälische Baukunst.

Gleichwohl lohnt sich der Blick aufs Detail: Zwischen den Fenstern verläuft die Fassade teils in Fächerform, ähnlich einem Paravent. Die Position der bodentiefen Fenster ist teils ein Stück nach innen versetzt und damit genau auf die Himmelsrichtung ausgerichtet. Der Effekt ist für die rund 500 Beschäftigten im Innern des Gebäudes äußerst angenehm: An der sonnenarmen Nord- und Ostseite ist die Lichtausbeute so höher als an der Süd- und Westseite, wo Fassade und Fenster umgekehrt vor starker Sonneneinstrahlung schützen. Ein außenliegender Sonnenschutz für die Einzel- und Doppelbüros ist dadurch überflüssig.
 

© BLB NRW
Trotz leichten Terminverzögerungen konnte der Kostenplan eingehalten werden.
© BLB NRW, Foto: Espendiller+Gnegel
Die innovative Architektur und die intelligente Fassadengestaltung reduzieren den Energieverbrauch des Gebäudes.
© BLB NRW, Foto: Espendiller+Gnegel
Die Fensterausrichtung nach Himmelsrichtung birgt, je nach Position, Schutz oder Zufuhr von Sonnenlicht und ersetzt dadurch zusätzlichen Sonnenschutz.
© BLB NRW, Foto: Schuster Architekten / Patriarche
Die Hauptachse des Gebäudes ist rund 135 Meter lang und ihre Magistrale verbindet fünf Bauteile zu einer Kammstruktur.

Nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit hat der BLB NRW den 48 Millionen Euro teuren Neubau im April 2016 fertiggestellt. Die Nutzer zeigten sich hoch zufrieden. „Die neuen Räumlichkeiten sind gradlinig, offen und modern – so wie unsere Verwaltung“, sagte Oberfinanzpräsident Werner Brommund zur Eröffnung. Vier Stockwerke umfasst das nach einem Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Patriarche & Co. + Schuster Architekten gestaltete Gebäude, das eine Gesamtfläche von 20.500 Quadratmetern bietet. Die Entscheidung für den Neubau fiel, weil das alte Gebäude an der Andreas-Hofer-Straße in Münster mit PCB belastet war und nicht mehr wirtschaftlich saniert werden konnte.

Die Hauptachse des Gebäudes ist 135 Meter lang und läuft parallel zum Albersloher Weg im Südwesten der Stadt. Als durchgängige Verkehrsader des Gebäudes verbindet diese Magistrale fünf Bauteile, die zu ihr im rechten Winkel nach dem Prinzip eines Kamms angeordnet sind. In der Magistrale selbst und den vier kleineren Kammzinken ist neben der Oberfinanzdirektion NRW die Außenstelle Münster des Landesamts für Besoldung und Versorgung untergebracht. Besucher und Beschäftigte betreten das Gebäude über die Eingangshalle, die sowohl vom Albersloher Weg als auch vom rückwärtigen Parkplatz aus zugänglich ist. Eine Glasfassade verleiht dem Eingangsbereich Transparenz. Zugleich verbindet er den fünften und größten Kammzinken mit dem Rest des Gebäudes. Dieser beherbergt das Finanzamt für Steuerstrafsachen, die Steuerfahndung sowie das Finanzamt für Groß- und Konzernbetriebsprüfung. Kurze Wege erlauben einen schnellen Austausch zwischen den Behörden.

Neue Fassaden auch für das Landgericht und das Finanzamt Bielefeld-Innenstadt

Auch in Bielefeld ändert sich die Außenansicht zentraler Gebäude an gleich zwei Stellen:  Hier werden die Fassaden des Landgerichts und des Finanzamts Bielefeld-Innenstadt erneuert.  An beiden Gebäuden hatte der Zahn der Zeit genagt, dazu kamen Schadstoffbelastungen.  In den kommenden Jahren sollen Qualität und Optik daher deutlich aufgewertet werden: Am Finanzamt wird bis 2019 die Betonfassade saniert und mit einem Aluminium-Wellprofil verkleidet. Außerdem werden sämtliche Fenster erneuert.  Das Landgericht wird im Rahmen der Sanierung eine Fassade aus Faserzement bekommen.    

Modern, mitarbeiter- und bürgerorientiert

Sichtbetonstreifen trennen die Klinkerfassaden der einzelnen Stockwerke.  Ein optisch ansprechender Effekt, der wieder ganz praktische Vorzüge bietet:  Die Tragstruktur des Gebäudes befindet sich durch diesen architektonischen Kniff an den Außenseiten. In den Büros sind damit keine Stützen nötig, kein Raum wird verschenkt, jedem Beschäftigten stehen 14 Quadratmeter Bürofläche zur Verfügung.

Dank ihres kammartigen Aufbaus hat die neue Immobilie drei grüne Innenhöfe – einer davon dient als Außenbereich der Kantine. Diese ist ebenso öffentlich zugänglich wie die Bücherei mit Schwerpunkt Finanzliteratur. Das Gebäude gefalle ihm nicht nur deshalb besonders gut, weil hier verschiedene Bereiche der Finanzverwaltung unter einem Dach beherbergt würden, sagte der damalige Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) nach der Fertigstellung: „Wir setzen mit den barrierefreien Zugängen, der öffentlichen Kantine und Bücherei ein Zeichen nach außen, dass die Finanzverwaltung NRW eine moderne, bürger- und mitarbeiterorientierte Finanzverwaltung ist.“ Für Menschen mit Sehbehinderung wurde ein Leitsystem installiert.

Der Neubau ist ein echter Gewinn für die Beschäftigten. Und er ist ein klares Bekenntnis zu unserer Stadt als einer der bedeutenden Standorte unseres Landes mit großen und wichtigen Institutionen, Einrichtungen und Unternehmen des Kredit-, Finanz- und Versicherungsgewerbes.

Markus Lewe - Oberbürgermeister
Wirtschaftliches Handeln und durchdachte Ressourcennutzung

Markus Vieth, Leiter der Niederlassung Münster des BLB NRW, sieht den Neubau als „sichtbares Zeichen für die durchdachte Ressourcennutzung und wirtschaftliche Grundhaltung der Landesfinanzverwalter“. Der Einsatz von Fernwärme ermöglicht eine hohe Nutzung erneuerbarer Energie. Zur Beheizung werden die Raumdecken genutzt – sie liefern eine konstante Grundwärme. Wem das nicht reicht, der kann mithilfe von Konvektoren, die im Boden installiert sind, seine Wunschtemperatur einstellen. Dadurch unterschreitet das Gebäude die zur Bauzeit gültigen Vorgaben der Energieeinsparverordnung um 30 Prozent.

Standorte

Die Oberfinanzdirektion NRW hat neben Münster einen weiteren Standort in Köln. Sie ist die größte Mittelbehörde innerhalb der Landesfinanzverwaltungen und unterstützt die 129 untergeordneten Finanzämter bei der Festsetzung und Erhebung von Steuern.


Nachgefragt bei
Rainer Veltkamp
Projektverantwortlicher beim BLB NRW für die Oberfinanzdirektion Münster
Wie haben Sie als Mitglied des Projektteams des BLB NRW die Bauphase für die neue Oberfinanzdirektion erlebt – lief alles glatt?

Es läuft nie alles glatt. Die Herausforderung ist, dennoch alles auf Kurs zu halten. Das hat weitgehend geklappt. Wir haben den Kostenrahmen eingehalten und hatten nur eine leichte terminliche Verzögerung. Hauptgrund dafür war, dass wir noch einmal umplanen mussten, weil die Oberfinanzdirektionen zu nur noch einer Behörde mit Standorten in Münster und Köln zusammengefasst wurden. Dabei wurden Referate zusammengelegt, die Leiter pendeln nun regelmäßig. Wir haben darauf reagiert, indem wir zusätzlich flexible Arbeitsflächen für die Kollegen aus Köln bereitstellen.

Das Gebäude ist nun seit zwei Jahren fertig – erfüllt es die Erwartungen?

Pro Mitarbeiter gibt es zwar etwas weniger Fläche. Aber die neuen Räume haben viele Vorteile, etwa eine Akustikdecke mit besonderem Verputz. Der Sonnenschutz ist optimal und schafft ein produktives Arbeitsklima. Wir haben zudem große Konferenzbereiche geschaffen, die hervorragend angenommen werden. Auch die Kantine kommt sehr gut an. Sie hat 150 Sitzplätze und es gibt jeden Tag drei Durchgänge, sodass 450 Essen verkauft werden – auch an Externe, die ab 13 Uhr kommen dürfen.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den OFD- Verantwortlichen und -Beschäftigten, die dort arbeiten?

Überwiegend positive. Beim Standort aber ist die Meinung uneinheitlich. Früher war die OFD wesentlich zentraler gelegen. Für Mitarbeiter, die mit dem Auto über die B51 aus dem Ruhrgebiet kommen, ist der neue Standort vorteilhafter – auch, weil wir hier ausreichend Parkmöglichkeiten bieten. Der schnelle Gang in die Innenstadt ist dagegen nicht mehr möglich.

Gibt es noch etwas, das Sie in Zukunft verändern oder verbessern möchten?

Wir müssen immer weiter nachsteuern, bei jedem Projekt. Ein aktueller Punkt bei der OFD ist der Schallschutz in der Kantine. Gemäß dem Flächenschlüssel des Finanzministeriums ist es etwas enger geworden – und somit auch etwas lauter. Die Akustik entspricht zwar den Regelwerken, aber da wollen wir noch mehr machen. Zudem wollen wir dort auch noch mal die Klimatechnik nachsteuern.

Vielen Dank für das Gespräch!

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