Zum Hauptinhalt springen
Bundesbau

„Endlich können wir Feuerwehr richtig leben“

Neubau Bundeswehrfeuerwache Wulfen

Sicherheit steht im Munitionsversorgungszentrum West der Bundeswehr in Wulfen an erster Stelle. Damit die hier beschäftigten Bundeswehr-Feuerwehrleute optimale Arbeitsbedingungen haben und der Standort höchste Sicherheitsstandards erfüllt, hat der BLB NRW eine neue Feuerwache geplant und gebaut.

Zwar ist die Munition in den modernen Lagerhäusern des Standorts feuersicher deponiert, doch bei Arbeiten an dem explosiven Material muss für den Brandschutz ein eigener Löschtrupp bereitstehen. Für diese anspruchsvolle Arbeit hat die Abteilung Bundesbau des BLB NRW eine neue, modern ausgestatte Feuerwache gebaut, die im November 2020 bezugsfertig war. Bei einem Rundgang vor Ort empfängt der Leiter der Wulfener Bundeswehr-Feuerwehr Josef Bücker seine Gäste vom BLB NRW in bester Laune: „Endlich können wir Feuerwehr wirklich leben“, sagt der Brandamtmann begeistert. „Unser Arbeitsalltag hat sich mit der neuen Feuerwache grundlegend geändert.“ Früher war sein Team in verschiedenen Gebäuden auf dem Gelände des Munitionsdepots untergebracht. „Jetzt finden alle Arbeiten zentral an einem Ort statt. Das bedeutet auch, dass wir im Ernstfall schneller einsatzbereit sind“, nennt Josef Bücker einen wichtigen Vorteil. Dass die Wulfener Bundeswehr-Feuerwehr lange keine richtige Wache hatte, liegt auch an der bewegten Geschichte des Munitionsdepots, das die Wehrmacht ab 1938 als Heeresmunitionsanstalt angelegt hatte.

© BLB NRW
Die Wartung und Reinigung der Fahrzeuge kann jetzt geschützt im Trockenen erfolgen.
© BLB NRW
Die Atemschutzwerkstatt ist mit einem Sterilisator ausgestattet, in dem die demontierten Atemschutzgeräte in Einzelteilen regelmäßig gereinigt werden.
© BLB NRW
Die Feuerwehrleute müssen nicht nur Ausrüstung und Geräte einsatzbereit halten, sondern auch sich selbst – mit regelmäßigem Training im neuen Fitnessraum.
© BLB NRW
In den Lagerhäusern ist die Munition feuersicher deponiert. Doch wenn an dem explosiven Material gearbeitet wird, muss die eigene Feuerwehr für den Brandschutz bereit stehen.
© BLB NRW
Immer alles im Blick und jederzeit einsatzbereit: Die Leitstelle ist das Herzstück der Feuerwache.
© BLB NRW
Vier Feuerwehrfahrzeuge stehen einsatzbereit für den abwehrenden Brandschutz im Wulfener Munitionsdepot.
Depot mit wechselhafter Geschichte

Die Wehrmacht hatte im Jahr 1938 das Depot als Heeresmunitionsanstalt angelegt. Nach dem zweiten Weltkrieg übernahmen die britischen Streitkräfte die Anlage, die sie ab 1987 umfassend modernisierten und umbauten. 1998 übergaben die Engländer das Lager an die Bundeswehr und es wurde zum „Munitionshauptdepot Wulfen“. Erst ab 2009 war die Bundeswehr auch für die zuvor von den Briten betriebene Feuerwehr am Standort Wulfen zuständig. Seit einer Umstrukturierung bei der Bundeswehr heißt das Depot nun Munitionsversorgungszentrum West. Rund 200 zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hier beschäftigt.

Bevor es in die neue Feuerwache geht, führt Josef Bücker über das Gelände des Depots. Schnurgerade liegen die Bunker in Reihen unter einer mit Bäumen und Büschen bewachsenen Erdschicht. Aus der Vogelperspektive betrachtet, erinnert das Depot mit seinen vielen Bäumen und deren geometrischer Linienführung an eine barocke Parklandschaft. Hier unten, auf ebener Erde, sieht es allerdings ganz anders aus: Am Eingang zum Versorgungszentrum laufen Schäferhunde in einem neu angelegten Zwingerbereich, ein sechs Kilometer langer Zaun umgibt das Gelände, die Munitionslagerhäuser sind mit schweren Stahltüren verschlossen. Und für den abwehrenden Brandschutz stehen Josef Bücker und sein 15-köpfiges Löschteam bereit.

 

Gebäude spiegelt die Aufgabenvielfalt wider

Zurück in der Feuerwache zeigt der 62-jährige Leiter als erstes das Herzstück des neuen Gebäudes, die Leitstelle. An Werktagen wird diese zwölf Stunden lang von einem Disponenten der Bundeswehr- Feuerwehr besetzt. Danach gehen Alarme automatisch an die zivilen Kolleginnen und Kollegen in Dorsten und an den Wochenenden zur Kreisleitstelle Recklinghausen. Durch Fenster in der Leitstelle und im angrenzenden Flur kann man direkt in die großen, hellen Werkstatt- und Wartungshallen schauen. Wieviel Hightech sich hier verbirgt, ist auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Doch die technischen Anforderungen beim Bau der Feuerwache waren hoch: „Eine Besonderheit ist die Abgasabsaugung“, berichtet der Projektverantwortliche Hermann Kleinhaus vom BLB NRW beim Gang durch die Halle. Die Anlage, speziell für Feuerwehrfahrzeuge, saugt die Dieselabgase bereits beim Einfahren in die Halle ab. Dafür befestigen die Feuerwehrleute einen Schlauch direkt am Auspuff, solange die Fahrzeuge noch vor der Halle stehen. Beim Fahren bewegen sich die Schläuche über eine Deckenschiene mit. Lenken die Feuerwehrleute die Fahrzeuge später wieder nach draußen, koppelt sich die Anlage automatisch ab. Die Technik verhindert, dass die Mitarbeitenden bei Wartungen oder Reparaturen gesundheitsschädliche Dieselabgase einatmen. Insgesamt unterhält der Wulfener Löschtrupp vier Einsatzfahrzeuge.

Die Gebäudetechnik der Wache arbeitet weitgehend automatisiert: „Werden die Tore nach außen geöffnet, schaltet sich die Heizung in der Halle ab“, nennt Kleinhaus ein Beispiel. Für die Planung und den Bau von Feuerwachen hat die Bundeswehr klare Vorgaben. „Wir haben unter anderem Module für Organisation, Bereitschaft – Ruheraum, Bereitschaft – Aufenthalt, Technik und Einsatz integriert“, so der Bauingenieur. Zudem hat das Projektteam des BLB NRW einen sogenannten Schwarzbereich angelegt, in dem die Feuerwehrleute nach einem Einsatz kontaminierte Kleidung ausziehen können. Nach dem Duschen gelangen sie dann in den sauberen Weißbereich.

Teamwork für den Bund

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW plant, baut und unterhält in Nordrhein- Westfalen auch Gebäude für den Bund, etwa für zivile Einrichtungen wie Bundespolizei und Technisches Hilfswerk sowie für die Bundeswehr, die NATO und verbündete ausländische Streitkräfte. Dabei wird er von der Bauabteilung der Oberfinanzdirektion NRW (OFD NRW) und dem für Bauen zuständigen Bundesministerium kontrolliert.

Die Feuerwehrwache ist wie eine zweite Heimat

Für die Reinigung der kontaminierten Schutzmonturen steht in einem angrenzenden Raum eine spezielle Waschanlage. Hier ist auch eine Schlauchpflegemaschine untergebracht, die gerade von zwei Mitarbeitern bedient wird. Einer der Feuerwehrleute führt die Schläuche manuell ein, danach werden sie in einem geschlossenen System automatisch mit Bürsten und Hochdruck gereinigt und wieder aufgewickelt. Josef Bücker schüttelt etwas ungläubig lächelnd den Kopf: „Früher mussten wir die Feuerwehrschläuche per Hand waschen.“ Für ihn und sein Team ist das noch immer Neuland: in einer Wache zu arbeiten, deren Raumaufteilung und technische Ausstattung genau die Vielfalt ihrer Aufgaben widerspiegelt (mehr dazu im Interview auf der rechten Seite). Auch wenn der BLB NRW bei der Planung Module der Bundeswehr verwendete, setzte er doch besondere Anforderungen der Wulfener Feuerwehr um. Dabei arbeitete das Projektteam eng mit dem Löschtrupp zusammen. „Grundsätzlich haben Feuerwehrleute ganz andere Anforderungen an ihre Wache als dies zum Beispiel bei einer Kaserne oder bei Büroräumen der Fall ist“, sagt Architektin Uta Barenbrügge vom BLB NRW Projektteam. „In ihren Dienstzeiten halten sie sich lange in den Räumen auf, arbeiten dort, sind aber auch in Bereitschaft. Für das Team ist die Wache wie eine zweite Heimat.“

Bei aller Funktionalität bietet die Feuerwache deshalb auch eine hohe Aufenthaltsqualität. Die Räume sind hell und freundlich und es gibt ausreichend Platz, damit sich die Feuerwehrleute bei einem Alarm möglichst schnell für den Einsatz bereit machen können. Dabei sind Gebäude und Ausstattung sehr robust konzipiert. „Es ist eben etwas anderes, ob Sie Räume mit Straßenschuhen nutzen oder mit schweren Feuerwehrstiefeln“, nennt Uta Barenbrügge einen weiteren Planungsaspekt. Eine Besonderheit in der Wulfener Wache ist auch der Fitnessraum. Hier absolvieren gerade zwei Männer ihr vorgeschriebenes Sporttraining. Sie freuen sich genauso über die neuen Arbeitsbedingungen wie die übrigen Feuerwehrleute aus dem Wulfener Team. „Wenn Kollegen von anderen Feuerwehren bei uns sind, schauen die manchmal schon etwas neidisch“, erzählt Josef Bücker augenzwinkernd und macht sich gut gelaunt wieder an seine Arbeit.


Nachgefragt bei
Josef Bücker
Brandamtmann und Leiter der Bundeswehr-Feuerwehr im Munitionsversorgungszentrum West in Wulfen
Herr Bücker, Ihre Aufgabe ist der Brandschutz im Munitionsdepot. Was bedeutet das für den Arbeitsalltag?

In unserem Arbeitsalltag geht es darum, jederzeit fit für den Einsatz zu sein. Dazu gehört einerseits die Instandhaltung der Einsatzfahrzeuge und unserer Ausrüstung. So müssen die Löschschläuche nicht nur nach Einsätzen und Übungen gereinigt werden, sondern auch in regelmäßigen Abständen zur Wartung und Prüfung. Das gleiche gilt für die Atemschutzgeräte, die wir ebenfalls regelmäßig überprüfen und reinigen. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist die Aus- und Weiterbildung. Wir sind durchschnittlich zwei- bis dreimal pro Monat im Übungseinsatz. Dabei üben wir beispielsweise Brandeinsätze mit und ohne Menschenrettung oder Einsätze unter Beteiligung von Explosionsstoffen. Die Inhalte richten sich auch nach unserem Brandschutzbedarfsplan. Und nicht zuletzt müssen wir Feuerwehrleute uns auch selbst durch regelmäßiges Training körperlich fit halten.

Wie profitiert Ihr Team von der neuen Feuerwache?

Das ist überhaupt kein Vergleich zu vorher. Bisher mussten wir zum Beispiel Wartungsarbeiten oftmals draußen durchführen, bei Wind und Wetter. Jetzt stehen uns hierfür moderne Werkstatthallen mit sicheren Arbeitsbedingungen und ausreichend Platz zur Verfügung. Räume und Ausstattung sind genau auf unsere vielen verschiedenen Aufgaben abgestimmt. Das macht allen jetzt richtig Spaß hier.

Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit?

Das ist vor allem der gute Zusammenhalt innerhalb der Bundeswehr-Feuerwehr. Wir sind ein großartiges Team. Mir macht aber auch die Verantwortung für meine Mitarbeiter Freude. Bei uns kommen ganz unterschiedliche Menschen verschiedener Generationen zusammen. Die alle unter einen Hut zu bringen, ist eine spannende Aufgabe.  

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Einblicke

Pressemitteilung |
Düsseldorf/München, Zentrale

BLB NRW auf der Expo Real 2022

Unter dem Motto "Nordrhein-Westfalen, der Herzschlag Europas" ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) neben weiteren Partnern vom 04. bis 06. Oktober 2022 auf der Expo Real in München, der größten internationalen Immobilienmesse Europas, vertreten (Halle B1 Stand 422).
Projekte | Hochschulen

CMM: Organisierter Zufall als Planungsprämisse

Forschung allein im stillen Kämmerlein – diese Vorstellung von der wissenschaftlichen Arbeit ist lange überholt. Moderne Forschung lebt von Kommunikation und Austausch. Das hat auch Auswirkungen auf die Architektur von Forschungsbauten. Zum Beispiel beim Center of Mathematics Münster der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU).
Pressemitteilung |
Aachen, NL Aachen

Feierliche Eröffnung des neuen Kompetenzzentrums Mobilität

Im neuen Kompetenzzentrum Mobilität (KMAC) bündelt die FH Aachen zukünftig ihre Lehr- und Forschungsaktivitäten im Bereich Mobilität. Bei der Eröffnung im Beisein von Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, wurde das Gebäude heute vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) übergeben.
Verkauf
Die Stadt Hagen liegt im Bundesland Nordrhein-Westfalen am südöstlichen Rand des Ruhrgebiets. 2021 lebten rd. 195.000 Einwohner in der Stadt. Hagen ist geprägt von einer stetig wachsenden Dienstleistungsbranche und ist Sitz der größten Fernuniversität Deutschlands.
Verkauf
Duisburg liegt am westlichen Rand des Ruhrgebietes im Bundesland Nordrhein-Westfalen. In Duisburg leben derzeit rd. 500.000 Einwohner. Eine sehr gute Anbindung an das Fernstraßennetz ist durch die A3, A40, A42, A59 sowie die A524 gegeben.
Pressemitteilung |
Dortmund, NL Dortmund

Richtfest für das neue Forschungszentrum CALEDO in Dortmund

Auf dem Campus Nord der Technischen Universität (TU) Dortmund errichtet der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) derzeit das Center for Advanced Liquid-Phase Engineering Dortmund – CALEDO. Rund ein Jahr nach der Grundsteinlegung ist der Baufortschritt bereits deutlich sichtbar: der Rohbau steht.
Keine Nachrichten verfügbar.
Nach oben