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Die Neubauten der Hochschule Ruhr West in Mühlheim an der Ruhr

Ausgezeichnete Architektur gibt Innovationen Raum

Ausgezeichnet mit gleich zwei Architekturpreisen: der Gebäude und Campuskomplex der Hochschule Ruhr West in Mühlheim an der Ruhr.

Daten und Fakten

  • Baubeginn: 07/2012
  • Fertigstellung: Ende 2015
  • Besonderheit: moderner Campusflair auf einem ehemaligen Rangierbahnhof
  • Gesamtinvestition: rund 160 Mio. Euro
  • Bruttogeschossfläche: 62.500 m2

Auszeichnungen:

  • Auszeichnung guter Bauten 2017
  • IF Design Award 2017

Der BDA Mühlheim verlieh dem Gebäudeensemble die „Auszeichnung guter Bauten 2017“. Die Gestaltung der Außenanlagen der Hochschule wurde ebenfalls mit dem „IF Design Award“ ausgezeichnet. Der neue Campus in Mühlheim an der Ruhr ergänzt die attraktive Hochschullandschaft der Metropole Ruhr. In die Campusstruktur mit attraktiven Freiflächen und modernsten Gebäuden hat der BLB NRW rund 160 Millionen Euro investiert.
Dort wo einst die Deutsche Bahn AG Züge instand setzte, ist auf einer Fläche von 43 Hektar innerhalb von vier Jahren ein Hochschulgelände mit Zukunftspotential entstanden. Seit Mitte 2015 finden hier Studierende der Fachbereiche Informatik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Wirtschaft beste Bedingungen vor, um Kompetenzen in Theorie und Praxis zu erwerben. Der Campus umfasst acht Gebäude: ein Hörsaalzentrum, eine Mensa und eine Bibliothek, vier Institutsgebäude und ein Parkhaus mit 750 Stellplätzen.
„Alle Gebäude und Wegführungen sind daraufhin ausgerichtet, den Austausch zu fördern – innerhalb studentischer Arbeitsgruppen, zwischen verschiedenen Disziplinen und von Studierenden und Hochschulangehörigen mit der Mühlheimer Bevölkerung“, erläutert Hermann-Josef Peters, der das Projekt für den BLB NRW maßgeblich betreut hat. Peters, der damals stellvertretender Leiter der Niederlassung Münster war, begleitete die Architekturwettbewerbe und koordinierte mit seinem Team die Bauprojekte.

© BLB NRW
Der zentrale Platz des Campus hat die Qualität einer öffentlichen Parkanlage.
© BLB NRW
Verschiedene Sitzgelegenheiten laden zum kommunikativen Austausch ein.
© BLB NRW
Großflächige Glasfronten prägen die Hörsaalgebäude.
© BLB NRW
Klare Linien und ein harmonisches Farbkonzept prägen die Mensa der Hochschule Ruhr West in Mühlheim an der Ruhr.
© BLB NRW
Der technische Niederlassungsleiter Markus Vieth (rechts) und sein Team freuen sich über die "Auszeichnung guter Bauten 2017".
Planung mit der Stadtentwicklung im Fokus

In enger Kooperation mit dem Hochschulteam hatte das Team des BLB NRW bei der Ausschreibung der architektonischen Leistungen großen Wert darauf gelegt, dass Gebäude und Campus kommunikative Orte für Studierende und Lehrende bieten. „Dem wird die Umsetzung vollkommen gerecht: Alle Wege von den Instituten und Seminargebäuden führen auf die Kommunikative Campusmitte mit Mensa, Bibliothek und Hörsaalzentrum hin“, so Hermann-Josef Peters. Wesentlichen Einfluss auf die positive Entwicklung des Großprojekts hatte eine städtebauliche Ideenwerkstatt, die dem Architekturwettbewerb vorausging.
Die besten Ansätze aus diesem Werkstattprozess wurden zur Grundlage für einen zweistufigen Wettbewerb mit 15 Architekturbüros. Bei der Beurteilung der Entwürfe spielte für die Jury zunächst eine wichtige Rolle, wie sich der neue Ort des Lehrens, Lernens und Wissens in die Stadt integriert. Gewünscht wurde eine Hochschule, die sich zur Stadt hin öffnet und die ihre Studierenden, aber auch alle Bürger und Bürgerinnen, willkommen heißt. Acht Entwürfe mündeten in eine zweite Wettbewerbsphase. Bei der weiteren Bewertung rückten neben der ästhetischen Beurteilung die Themen Funktionalität und Nachhaltigkeit in den Fokus.

Der Campus der Hochschule Ruhr West stärkt den Bildungs- und Wissenschaftsstandort Mühlheim an der Ruhr. Im Mühlheimer Stadtteil Broich ist ein offener und innovativer Hochschulkomplex entstanden, der Studierenden und Lehrenden optimale Lern- und Lehrbedingungen bietet.

Prof. Dr.-Ing. Gudrun Stockmanns, Präsidentin der Hochschule Ruhr West
Ästhetik und Nachhaltigkeit bereichern den Standort

Am Ende überzeugte der Gebäudeentwurf der Arbeitsgemeinschaft aus HPP Hentrich-Petschnigg & Partner (Düsseldorf) und ASTOC Architects & Planners (Köln) mit der hellen, langlebigen Klinkerfassade und einem transparent wirkenden Mensagebäude.
Für die Jury des IF Design Awards war vor allem die gestalterische Idee ausschlaggebend, durch intelligente räumliche Verbindungen eine harmonische Anbindung an den Mülheimer Stadtteil Broich zu schaffen. Die ausgewählten Materialien beziehen sich auf die industrielle Vergangenheit des Standortes. Auf den zentralen Platz des Campus, der mit Wasserfontänen und verschiedenen Sitzgelegenheiten die Qualität einer öffentlichen Parkanlage hat, führen von Solitärbäumen gesäumte Wege. Im Norden verbinden Freiflächen das Hochschulareal mit der angrenzenden Landschaft und dem öffentlichen Radwegenetz. Nicht nur für die Studentinnen und Studenten, auch für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Mühlheim bietet der Hochschulcampus eine hohe Aufenthaltsqualität. Es sind öffentliche Räume entstanden, die auch den Anwohnerinnen und Anwohnern für Freizeitaktivitäten zur Verfügung stehen. So wurde der Höhenunterschied zu einer der Hauptverkehrsachsen Mühlheims durch eine sanft ansteigende Schräge ausgeglichen und mit Bänken gestaltet. Entstanden ist ein tribünenartiges Gelände, das nicht nur zum Verweilen einlädt, sondern auch für Veranstaltungen genutzt werden kann.
Die Hochschulgebäude selbst greifen Leitmotive der öffentlichen Raumgestaltung auf: Transparenz und Flexibilität. Helle Lochziegelsteine und großflächige Glasfronten prägen die Fassadengestaltung. Bei Bedarf können die Räume mit roten Sonnenschutzlamellen verdunkelt werden. Auch das Innere der Gebäude wird der Dynamik deines Lern- und Lehrgebäudes gerecht. Die Institutsgebäude erlauben aufgrund ihrer flexiblen Grundrisse die Nutzung durch unterschiedliche Lehreinrichtungen. Der Werkstattcharakter der Räume, der besonders durch Sichtbetonwände und –Böden in Szene gesetzt wird, ermöglicht beste Studienbedingungen: dafür sorgen kurze Wege, funktionale Praxisräume, freundlich gestaltete Seminareinheiten sowie Flächen für den interdisziplinären Austausch.
Und schließlich steht der neue Campus auch in besonderer Weise für Nachhaltigkeit: Über die wartungsarme Fernwärmeversorgung auf Basis von Biogas wird die Hochschule pro Jahr 750 Tonnen CO2 gegenüber einer konventionellen Energieversorgung einsparen.


Nachgefragt bei
Petra Hasken
Assetmanagerin in der Niederlassung Münster
Was ist Ihr spezielles Aufgabengebiet beim BLB NRW?

Ich bin als Architektin beim BLB NRW in der Organisationseinheit Assetmanagement tätig. Diese ist unter anderem für die Entwicklung des Portfolios, die Standortkonzeptionen oder die Wahrnehmung der Bauherrenfunktion zuständig. Ich betreue in Bauherrenfunktion als Projektleiterin und Projektmanagerin verschiedene Neubau-Projekte des BLB NRW. 

Die Niederlassung Münster des BLB NRW hat sich mit der Hochschule Ruhr West in Abstimmung mit den Städten Mühlheim an der Ruhr und Bottrop auf die Durchführung von zwei Architektenwettbewerben verständigt. Warum?

Wir hielten einen Wettbewerbsprozess über zwei Phasen für notwendig, um den sehr hohen funktionalen und architektonischen Anforderungen an den Hochschulstandort gerecht zu werden. Der Wettbewerb für den Standort Mühlheim an der Ruhr startete Ende Juni 2010 mit 15 Arbeitsgemeinschaften aus Architekturbüros, technischen Ingenieurbüros sowie Landschaftsarchitekten. Nach der ersten Wettbewerbsphase wählte die Jury die besten Konzepte zur weitergehenden Ausarbeitung in der zweiten Phase aus. In ihr vertieften acht Teams ihre Planung für den Standort Mühlheim an der Ruhr. 

Worauf haben Sie bei der Ausschreibung besonderes Augenmerk gelegt?

In der zweiten Phase wurde neben der Detailplanung für Architektur und Freiraum die Ausarbeitung eines nachhaltigen Energiekonzeptes in Zusammenarbeit mit den beteiligten Ingenieurbüros gefordert. Erklärtes Ziel der Hochschule Ruhr West war es, besonders energiesparende und nachhaltige Hochschulgebäude zu errichten.

Glauben Sie, dass städtebauliche und architektonische Wettbewerbe das richtige Instrument zur Ermittlung des besten Entwurfs sind?

Ich bin der Überzeugung, dass Architektenwettbewerbe die beste Methode sind, um in Bezug auf Funktion, Ökonomie und Ästhetik eine optimale Lösung für ein Bauvorhaben oder eine städtebauliche Planung zu finden. Sie geben auch jungen Büros eine Chance auf einen ersten großen Auftrag. Etablierte Büros können die eigene Leistungsfähigkeit präsentieren und erhalten mehr Öffentlichkeit. Außerdem bringt der Wettstreit der Ideen architektonische Vielfalt von hoher Qualität in unsere Städte. Das zeigt der Mühlheimer Hochschulcampus deutlich: Ihn kennzeichnen eine gute Einbindung in den Stadtteil, eine zukunftsweisende Architektur und eine klimagerechte Gebäudetechnik.

Vielen Dank für das Gespräch!

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