Preisgericht entscheidet über Entwürfe für zentralen Neubau in Bonner-Innenstadt
Zwei erste Preise für das Viktoriakarree
Jurysitzung
Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) hat erfolgreich den nichtoffenen hochbaulichen Realisierungswettbewerb für das Viktoriakarree ausgelobt. Zwei renommierte Architekturbüros teilen sich den ersten Platz.18 Arbeiten waren für den Wettbewerb zugelassen. In mehreren Rundgängen prüfte und diskutierte das Preisgericht die Entwürfe intensiv. Im Fokus standen dabei vor allem die städtebauliche Idee, die architektonische Qualität, die funktionale Umsetzung und Flexibilität sowie der Umgang mit der denkmalgeschützten Fensterfront zum Belderberg. Auch Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit spielten eine zentrale Rolle.
„Die prämierten Entwürfe zeigen überzeugend, wie sich ein komplexer Ort wie das Viktoriakarree neu denken lässt. Sie verbinden städtebauliche Klarheit mit räumlicher Qualität und bieten eine gute Grundlage für die weitere Entwicklung“, sagt Fachpreisrichter Prof. Jens Wittfoht.
Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn, sagt: „Mit dem Architekturwettbewerb für das Viktoriakarree ist ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft unserer Universität erreicht. Das ‚Forum des Wissens‘ wird zusätzlichen Raum für Bibliotheken, Kommunikations- und Lernbereiche schaffen und zugleich ein Ort der Begegnung sowie eine Schnittstelle zur Stadtgesellschaft werden. Die jetzt prämierten Entwürfe zeigen auf überzeugende Weise, wie das mitten im Herzen Bonns gelingen kann.“
Zwei erste Preise – unterschiedliche Antworten auf dieselbe Aufgabe
Das Preisgericht vergibt zwei gleichrangige erste Preise. Beide Entwürfe überzeugen, gehen aber unterschiedliche Wege.
Kleihues + Kleihues, Münster (Arbeit 1010)
Ein klar gegliedertes Ensemble, das den Bestand des ehemaligen Viktoriabads aufnimmt und weiterentwickelt. Der Entwurf öffnet sich zur Stadt: große Fenster, ein prägnanter Eingang, ein Gebäude, das einlädt. Innen bleibt alles gut lesbar, die Nutzungen sind flexibel angelegt. Diskutiert wurden vor allem die starke bauliche Präsenz und die Frage, wie viel Eigenständigkeit die Architektur zeigen soll.
DGI Bauwerk, Berlin, mit GINA Barcelona Architects (Arbeit 1014)
Hier entsteht ein Haus von innen heraus. Ein großzügiger Innenhof bildet das Zentrum, bringt Licht, Orientierung und Aufenthaltsqualität. Wege, Blickachsen und Räume greifen ineinander, die historische Fassade wird bewusst inszeniert. Die offene Struktur bietet viele Möglichkeiten. Bei der Fassadengestaltung und den funktionalen Ausarbeitungen erkannte das Preisgericht gute Ansätze mit weiterem Potenzial.
Ein zweiter Preis und bemerkenswerte Arbeiten
ROHWAREIMSTUDIO, München (Arbeit 1009)
Ein Entwurf mit eigener Handschrift: Die gefaltete Dachlandschaft prägt das Gebäude und sorgt für gutes Licht im Inneren. Es entstehen vielfältige Räume für unterschiedliche Nutzungen. Besonders stark: das flexible Konzept und der konsequente Einsatz nachhaltiger Materialien. Schwächen sah das Preisgericht vor allem in der äußeren Ausformulierung, der Ausbildung der „grünen Mitte“ und in Details der Funktion.
Anerkennungen
- SCHENKER SALVI WEBER ARCHITEKTEN, Wien (Arbeit 1011)
- HHS Planer + Architekten AG, Kassel (Arbeit 1016)
„Die prämierten Entwürfe zeigen, wie sich ein offenes, lebendiges Forum des Wissens architektonisch und städtebaulich verankern lässt. Als Bauherr tragen wir nun die Verantwortung, eine tragfähige und zukunftsweisende Lösung für die Universität, aber auch für die Stadtgesellschaft, zu entwickeln.“, sagt Gabriele Willems, Geschäftsführerin des BLB NRW.
Ein neuer Ort für die Stadt Bonn und für die Universität
Mit dem Viktoriakarree entsteht ein zentraler Ort für Wissenschaft, Kultur und Öffentlichkeit in der Bonner Innenstadt. Ziel ist es, sich in bestehende Strukturen respektvoll einzufügen und gleichzeitig einen offenen, zeitgemäßen Ort zu schaffen. Das „Forum des Wissens“ wird nach der Generalsanierung des Barockschlosses dauerhaft Funktionen aus dem Uni-Hauptgebäude übernehmen. So werden die Bibliotheken der philologischen Fächer hier eine permanente Bleibe finden. Außerdem wird das Forum ein Ort der Begegnung von Forschenden, Lehrenden und Studierenden untereinander und mit der Stadtgesellschaft werden.
Die prämierten Einreichungen zeigen unterschiedliche Wege dorthin: von klar strukturierten Baukörpern mit starker Anbindung an das Quartier bis hin zu offenen Raumlandschaften mit begrünten Innenhöfen. Gemeinsam ist ihnen der Anspruch, einen lebendigen und zugänglichen Ort für viele zu schaffen.
Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten
Die Wettbewerbsarbeiten werden bis zum 22. April 2026 öffentlich ausgestellt. Veranstaltungsort ist die „Blaue Grotte“ im Hauptgebäude der Universität Bonn, An der Schlosskirche, 53113 Bonn. Es gelten die regulären Öffnungszeiten des Hauptgebäudes: Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr (ab 7. April bis 21 Uhr) und Samstag von 7 bis 12:30 Uhr (an Sonn- und Feiertagen geschlossen).
Bilder in druckfähiger Qualität stehen Ihnen zum Download hier zur Verfügung:
https://membox.nrw.de/index.php/s/nIV0mekMWoDaq6l (Passwort: blbnrw)
Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an:
Bastian Rodowski