Pressemitteilung |

Erinnerung an ambivalente Nutzungsgeschichte

BLB NRW weiht Stele vor ehemaliger Polizeiwache Gutenbergstraße ein

Münster | Niederlassung Münster

Vor der ehemaligen Polizeiwache in der Gutenbergstraße 17 weihte heute der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW) als Eigentümer des Gebäudes eine Stele ein. Diese informiert nicht nur über die architektonische Bedeutung des Baudenkmals für die Stadt, sondern erinnert auch an ein dunkles Kapitel in der Nutzungsgeschichte als Leitstelle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) während der Zeit des Nationalsozialismus.

© BLB NRW

Weihten gemeinsam die Stele vor Haus Hensen an der Gutenbergstraße 17 ein (v.l.): Hans-Edzard Janssen vom Bundesbau des BLB NRW, die Nachfahren des Architekten Alfred Hensen Urenkelin
Pia Camphausen und Enkel Clemens Camphausen, BLB NRW-Niederlassungsleiter Markus Vieth und Manfred Becker vom Bundesbau des BLB NRW.


Die Niederlassung Münster des BLB NRW hatte das denkmalgeschützte Gebäude umfassend saniert und als Verwaltungsgebäude hergerichtet. An die unterschiedlichen früheren Nutzungen erinnert in den modern ausgestatteten Büroräumen nur noch wenig. Deshalb hat der BLB NRW die Stele aufgestellt. „Architektur ist mehr als gebauter Raum, sie erzählt immer auch Geschichten über ihre Entstehungszeit, kulturelle Trends und politische Entwicklungen“, sagt Markus Vieth, Leider der Niederlassung Münster des BLB NRW. „Mit der allen zugänglichen Informationstafel möchten wir die Erinnerung an die Geschichten dieses Gebäudes wachhalten. Dies gilt umso mehr, als dass die Gutenbergstraße 17 im nationalsozialistischen Deutschland mindestens sieben Jahre lang Gestapo-Leitstelle war. Als Land tragen wir hier eine besondere Verantwortung für die Erinnerungskultur.“ 

Sprung in die architektonische Moderne

1911 errichtete der Münsteraner Architekt Alfred Hensen das Gebäude für die Steinbruchsgenossenschaft. Entstanden in der Aufbruchstimmung der Gründerzeit steht es architektonisch für den Sprung in die Moderne. Von den Fundamenten bis zum Dach ist es als erstes Gebäude in Münster komplett in Stahlbeton ausgeführt. Zusammen mit den flach gedeckten Dachgeschossen war der Entwurf für das damalige Münster revolutionär. „Zur Würdigung des innovativen Erbauers haben wir das Gebäude mit Zustimmung seiner Nachfahren Haus Hensen genannt“, sagt Markus Vieth. 

Sieben Jahre Gestapo-Leitstelle

Nach dem Auszug der Steinbruchsgenossenschaft erlebte das Gebäude eine sehr wechselhafte Nutzungsgeschichte. In den 1930er Jahren zog zunächst eine Freimaurerloge ein und später die Gauleitung des NS-Lehrerbundes. Ab ca. 1937 war das Haus eine der größten Gestapo-Leitstelle im damaligen Deutschland. In den Zellen im Keller wurde gefoltert und im Hinterhaus fanden Verhöre statt. Die Gestapo organisierte von hier aus die Verfolgung politisch anders Denkender und ab 1941 die Verschleppung der jüdischen Bevölkerung aus dem Münsterland in die Konzentrationslager der besetzten Gebiete Osteuropas.

© BLB NRW

Die Stele informiert neben der Architektur des Gebäudes auch über die mehr als 100-jährige Nutzungsgeschichte und erinnert an ein dunkles Kapitel des Hauses als Gestapo-Leitstelle während der Zeit des Nationalsozialismus.


Zeichen für Humanität 

Nach dem Zweiten Weltkrieg verrichteten die Britische Militärpolizei und die Deutsche Schutzpolizei gemeinsam ihren Dienst an der Gutenbergstraße 17. Später wurden Teile des Polizeipräsidiums hierher verlegt und anschließend bis zum Jahr 2014 verschiedene Einrichtungen der Polizei. Zwischen 2015 und 2017 diente die Liegenschaft als Flüchtlingsunterkunft und stand damit für Humanität. Über diese Entwicklungen im Verlauf von über 100 Jahren informiert der Text auf der Informationstafel. Deren Design hat der BLB NRW bewusst an die Stelen der Stadt Münster angepasst, die seit einigen Jahren verschiedene Denkmäler und Orte mit informativen Texten historisch einordnen. 

Um die Erinnerung an die wechselvolle Nutzungsgeschichte des Gebäudes an der Gutenbergstraße wachzuhalten, ermöglicht der BLB NRW zusätzlich in regelmäßigen Abständen Besichtigungen zum Tag des offenen Denkmals. Im vergangenen Jahr hatten in zwei Führungen knapp 100 interessierte Bürgerinnen und Bürger teilgenommen.

Bauen für die Bundesrepublik und befreundete Staaten

Genutzt wird Haus Hensen mittlerweile vom BLB NRW selbst für seine beiden Bundesbau-Abteilungen in Münster, die früher in angemieteten Flächen an der Warendorfer Straße untergebracht waren. Die rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter planen und realisieren als sogenannte baudurchführende Ebene ausschließlich Bauvorhaben im Auftrag des Bundes. Der militärische Bundesbau bildet den größten Bereich mit Bauvorhaben für die Bundeswehr, die NATO sowie die Gaststreitkräfte, wie beispielsweise die US-Army in Dülmen oder das Deutsch/Niederländische Korps in Münster. Die Projekte reichen von der Unterbringung der Soldatinnen und Soldaten über Büros- und Ausbildungsräume und Sporthallen bis zu Hangars, Fahrzeughallen und viele andere Funktionsgebäude mehr. Der zivile Bundesbau plant und realisiert nicht-militärische Bauvorhaben für den Bund, wie aktuell in Münster die Erweiterung des Bildungs- und Wissenschaftszentrums der Bundesfinanzverwaltung (BWZ) in Gievenbeck.

Bilder in druckfähiger Qualität stehen Ihnen zum Download hier zur Verfügung:
https://membox.nrw.de/index.php/s/PNI4YsdPjnvAArs

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