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Immobilienportfolio

Denkmäler in NRW: Justizzentrum Aachen

Puzzle mit 32.000 Teilen

Im Land- und Amtsgericht Aachen wurden auf einer Fläche von 550 m² 32.000 Fliesen ausgebaut, vom alten Mörtel befreit, gereinigt und je nach Zustand detailgetreu restauriert. Jede einzelne Fliese wurde vorher nummeriert und systematisch gekennzeichnet, um anschließend originalgetreu am Ursprungsort wieder eingebaut zu werden. 

Gebäude-Steckbrief

  • Adresse: Kongresstraße/Adalbertsteinweg 92, 52070 Aachen
  • Bauzeit: 1883-1888
  • Architekt: Preußischer Baubeamter Karl Friedrich Endell (1843-1891)
  • (Ursprüngliche) Nutzung: Land- und Amtsgericht
  • Historischer Fliesenboden: 550 m², 32.000 Fliesen
  • Architekturstil: Neugotischer Stil
  • Besonders beachtenswert: An der Fassade sind heute noch ein preußisches Wappen und zwei große Figuren vorhanden, von denen die eine Karl den Großen darstellt und die andere Kaiser Wilhelm den I., der nur wenige Wochen vor Einweihung des Gebäudes verstarb. Die im Gebäude verlegten Steinzeugfliesen der Firma Villeroy&Boch bestehen aus Binnenflächen, Randeinfassungen und Ornamentfelder mit bis zu vier verschiedenen Farben. Die Fliesen sind von besonderer Wertigkeit und ohne erhebliche Abweichungen nicht mehr reproduzierbar.
  • Instandsetzungsmaßnahme: 2016-2018 hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Aachen als Eigentümer der Liegenschaft den denkmalgeschützten historischen Fliesenboden aus der Entstehungszeit in aufwendiger Einzelarbeit restauriert.

Das im neugotischen Stil entworfene Land- und Amtsgericht Aachen wurde zwischen 1883 und 1888 errichtet. 2016 hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Aachen als Eigentümer der Liegenschaft damit begonnen, den denkmalgeschützten historischen Fliesenboden aus der Entstehungszeit in aufwendiger Einzelarbeit zu restaurieren. Die Böden waren an zahlreichen Stellen hohl oder hatten keine ausreichende Bindung zum Untergrund. In der Folge lösten sich Fliesen, brachen an den Kanten aus oder waren gerissen. Verschiedene Arbeiten konnten nur zu festgelegten Zeiten oder am Wochenende durchgeführt werden, um den Gerichtsbetrieb während der Bauphase aufrecht zu halten. 2018 wurden die Arbeiten abgeschlossen.

© BLB NRW
Blick auf das Gebäude von der Kongressstraße aus.
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Die Figuren von Karl dem Großen und Kaiser Wilhelm I. bewachen von der Fassade aus den früheren Eingang zum Altbau an der Kongressstraße.
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Der Blick vom Innenhof auf einen Gebäudeteil.
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Der Torbau der alten Justizvollzugsanstalt ist der neue Zugang zum Justizzentrum.
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Die sanierte Fassade des Land- und Amtsgericht Aachen und der neu gestaltete Innenhof.

Wer heute das Landgericht am Adalbertsteinweg betritt, begibt sich auf historischen Boden. Dort, wo sich der Innenhof befindet, trafen sich am 18. Oktober 1818 König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Kaiser Franz I. von Österreich und Zar Alexander I. von Russland zum sogenannten Aachener Kongress, um den fünften Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig zu feiern und die Freundschaft zwischen ihren Völkern zu bekräftigen. Später errichtete man hier das Kongressdenkmal, das dann dem Neubau des Landgerichts weichen musste.

Die Franzosen gestalteten das Gerichtswesen grundlegend um. Sie richteten zunächst 1794 ein Friedensgericht - den Vorläufer des heutigen Amtsgerichts – ein. Das Aachener Friedensgericht hatte ursprünglich gar keine eigenen Räumlichkeiten besessen. Die Richter mussten die Sitzungen in ihren eigenen Häusern abhalten. Im Jahre 1822 waren erstmals in Aachen Räumlichkeiten für das Friedensgericht angemietet worden, nämlich 3 Räume im Hause des Architekten Simar in der Peterstraße 41. Ende 1828 wurde dann das Aachener Friedensgericht im Landgerichtsgebäude in der Großkölnstraße untergebracht. Als auch diese Räumlichkeiten wieder zu eng wurden, zog das Friedensgericht aus dem Hause Großkölnstraße 37 aus und hatte seinen Sitz zunächst im Gesellschaftshaus in der Pontstraße und später im Hause Adalbertsteinweg  8.

Als man im Jahre 1874 den Plan eines Neubaus für das Landgericht ernsthaft in Erwägung zog, schwankte man zwischen dem bisherigen Gelände zwischen Großkölnstraße, Seilgraben und Neupforte einerseits und einem neuen Gelände in der Nähe des am Adalbertsteinweg bereits vorhandenen, im Jahre 1874 in Benutzung genommenen Gefängnisses. Dem beim Gefängnis gelegenen Grundstück gab man schließlich den Vorzug, obwohl die Altstadt zuvor beharrlich um den Erhalt des Gerichtes in ihrem Bezirk gekämpft hatte. Im Herbst 1883 begann man mit dem Bau des Gebäudes Kongressstraße 11, das noch heute im wesentlichen unverändert besteht.

© BLB NRW
Die frühere Eingangshalle mit Treppengeländer und farblich abgesetzten Verstrebungen an der Decke.
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Die kunstvoll verzierten Säulen und farblich abgesetzten Verstrebungen lassen das Treppenhaus prunkvoll wirken.
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Die historischen Fliesen ziehen sich durch die Flure des Altbaus im Land- und Amtsgericht Aachen.
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Der imposante Flur im Land- und Amtsgericht Aachen mit gewölbten Decken.
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Der ehemalige Schwurgerichtssaal im Land- und Amtsgericht Aachen.

Am 24.3.1888 wurde es mit einem kleinen Festakt im Schwurgerichtssaal eingeweiht. In ihm waren sowohl das Land- als auch das Amtsgericht untergebracht. Errichtet wurde es im damals modernen neugotischen Stil. An der Fassade sind heute noch ein preußisches Wappen und zwei große Figuren vorhanden, von denen die eine Karl den Großen darstellt und die andere Kaiser Wilhelm den I., der nur wenige Wochen vor Einweihung des Gebäudes verstorben war.

Das neue Gebäude war jedoch eigentlich bereits bei seiner Fertigstellung schon wieder zu klein. Nach Baubeginn hatte man nämlich noch nachträglich Räume für die seit 1885 der Justizverwaltung unterstellten Gerichtskassen und das neu anzulegende Grundbuch einarbeiten müssen. So beschloss man im Jahre 1913 den Bau des heutigen "Neubaus" am Adalbertsteinweg 90 als Erweiterungsgebäude. Errichtet werden sollte er auf dem historischen Platz des Aachener Kongresses, an den das Kongressdenkmal erinnerte, das sich ziemlich genau auf der Fläche des heutigen Innenhofes befand.

Hatte man zunächst vorgesehen, das Kongressdenkmal wieder in dem neuen Innenhof des Gerichts aufzustellen, so entschloss man sich letztendlich doch im Interesse eines leichteren Zugangs für die interessierte Öffentlichkeit für eine Aufstellung im Stadtgarten, die im Jahre 1928 dann auch erfolgte. In der letzten Woche des September 1929 wurde der Bau bezogen und am 28.10.1929 mit einem Festakt in der über dem Eingangsbereich gelegenen großen Flurhalle im 1. Obergeschoss feierlich eingeweiht.  Schon damals pflegte man freundschaftliche Beziehungen zu den Nachbarstaaten und so nahm neben etlichen anderen Ehrengästen auch der Oberstaatsanwalt von Maastricht an der Eröffnungsfeier teil.

Im Rahmen des Festaktes wurde auch der Schlussstein gesetzt,  und zwar in eine  später verschlossene Mauernische am nordwestlichen Mauereckpfeiler des ins 2. Obergeschoss führenden Haupttreppenhauses. In bewusster Anlehnung an die Aachener Bautradition verwendete man für die Fassaden des Neubaus Backstein und Muschelkalkstein. Bei der Bauausführung hatte man im übrigen großen Wert auf die künstlerische Gestaltung gelegt.

Insbesondere wirkte als Künstler Prof. Wallner aus Köln, Lehrer an den dortigen Werkschulen. Von ihm stammen die Keramiken um die Eingänge zu den Verhandlungssälen, die Säulenkapitelle in den großen Wartehallen neben und über dem Eingangsbereich, die Pilasterkapitelle an der Straßenfront und der die Tierkreiszeichen zeigende Rahmen des Hauptportals an der Straßenfront. Die Kapitelle der Fassade zum Adalbertsteinweg hin zeigen - wie man 1929 schrieb - auf der linken Seite "die allgemeinen Fundamente einer Volksversammlung: Die Religion, welche die sittlichen Normen setzt, den Staat als den Träger der öffentlichen Gewalt und das Recht, welches die Grundlage des Gemeinschaftslebens bildet". Auf  der rechten Seite finden sich "in engerer Beziehung zum Hause, die Wahrheit, die Gerechtigkeit und die Sühne".

Von großer Schönheit sind auch die Kunstschmiedearbeiten von Meister Carl Wyland aus Köln, nämlich insbesondere das große Portalgitter und das Haupttreppengeländer. Bemerkenswert ist auch die Eingangshalle, die mit ihren marmorverkleideten Wänden und den Weißbronzefenstern den Geist der Erbauungszeit atmet, der früher noch durch entsprechende Bronzelampen im Stil der 20er Jahre verstärkt wurde. Ferner waren die Sitzungssäle in künstlerischer Weise mit Holz vertäfelt und mit bunten Fenstern verglast.

Die Übergänge von den Säulen zur gewölbten Decke sind kunstvoll verziert.
© BLB NRW
Die Übergänge von den Säulen zur gewölbten Decke sind kunstvoll verziert.
Die Treppe im Land- und Amtsgericht Aachen verläuft über Eck und wird durch eine halbhohe viereckige Säule verbunden.
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Auch beim Treppenaufgang im Land- und Amtsgericht Aachen finden sich die Farben des Fliesenbodens wieder.
Die Kunstschmiedearbeiten am Haupttreppengeländer und großen Portalgitter stammen aus der Hand des Meisters Carl Wyland aus Köln.
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Die Kunstschmiedearbeiten am Haupttreppengeländer und großen Portalgitter stammen aus der Hand des Meisters Carl Wyland aus Köln.
Der Fliesenboden im Land- und Amtsgericht Aachen mit sandfarbenen, blauen und roten Fliesen ist historisch.
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Im Land- und Amtsgericht Aachen liegen 32.000 Steinzeugfliesen auf 550 Quadratmetern.
Der Fliesenboden auf dem Foto hat ein rot-blaues Schachbrettmuster und ist umgeben von einem gelben Rahmen aus Fliesen.
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Bis zu vier Farben finden sich in dem Fliesenboden des Land- und Amtsgerichts Aachen.

(Auszüge zur Geschichte das LAG Aachen mit freundlicher Genehmigung des Autors Dr. Marcel Erkens)

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