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Verantwortung

Denkmalgeschützte Institutsbauten auf dem Campus Poppelsdorf in Bonn

Historie trifft Moderne

2018 feiert die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ihren 200. Geburtstag. Die Hochschule ist aber nicht nur eine der ältesten, sondern mit 38.000 Studierenden auch eine der größten Universitäten Deutschlands. 

Daten und Fakten

  • Gesamtinvestition erster Bauabschnitt: 80,5 Mio. €
  • Baubeginn: 02/2012
  • Fertigstellung: 2017
  • Hauptnutzfläche: 13.500 m2

Sie ist über die Jahrhunderte gewachsen – Gebäude und Institute verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet. Auf Initiative des BLB NRW ist in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn und unter Beteiligung der Stadt Bonn im Januar 2006 eine Hochschulstandortentwicklungsplanung verabschiedet worden, die seitdem sukzessive umgesetzt wird. Sie umfasst alle von der Universität genutzten Liegenschaften und Gebäude – mit dem Ziel, die universitäre Lehre und Forschung in Bonn auf drei Standorte zu konzentrieren: den Campus City, den Campus Poppelsdorf und den Campus Endenich.

In Poppelsdorf – wo die Universität Bonn bis 2010 noch landwirtschaftliche Versuchsflächen betrieben hat – ist ein völlig neuer Campus entstanden, der mit drei Hochschul-Neubauten den mathematisch-naturwissenschaftlichen und landwirtschaftlichen Fakultäten Raum gibt. Die modernen Bauten bilden einen reizvollen Kontrast zum historischen Bestand, denn das Entree zum Campus markiert das Poppelsdorfer Schloss mit seinem angrenzenden botanischen Garten. 

Fassadenpreis für das Geozentrum

An der Meckenheimer Allee bietet seit 2011 ein Gebäude von 1867 dem Geozentrum der Universität eine neue Heimat. In einer Bauzeit von gut zwei Jahren führte der BLB NRW in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege eine Grundinstandsetzung des Gebäudes durch. Auf einer Mietfläche von rund 3.000 Quadratmetern befinden sich nun Büros sowie Besprechungs- und Archivräume. Zwei Hörsäle erstrahlen nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten im ursprünglichen Glanz. Der Dachbereich wurde ausgebaut und mit einem zusätzlichen Lichtband ausgestattet. 2012 konnte Werner Runden, Projektverantwortlicher des BLB NRW, stellvertretend für das gesamte am Bau beteiligte Team den von der Stadt Bonn ausgeschriebenen „Fassadenpreis“ entgegennehmen.

© BLB NRW, Foto: Benjamin Westhoff
Durch die Einheitlichkeit bilden die Gebäude INS/ IEL und die Informatik ein stimmiges Bild für den Betrachter.
© BLB NRW, Foto: Benjamin Westhoff
Das Hörsaalzentrum auf dem zentralen Campusplatz ist Teil des Projektes, die universitäre Lehre und Forschung auf drei Standorte zu konzentrieren.
© BLB NRW, Foto: Frank Alexander Rümmele
Stellvertretend für das gesamte Team nahm der Projektleiter den 2012 ausgeschriebenen Fassadenpreis entgegen.
© BLB NRW, Foto: Frank Alexander Rümmele
In den restaurierten Hörsälen des Geozentrums finden universitäre Veranstaltungen für die Studierenden in freundlicher Atmosphäre statt.
© BLB NRW, Foto: Frank Alexander Rümmele
Das Gebäude in dem sich das Geozetrum befindet existiert seit 1867 und wurde in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege grundlegend Instand gesetzt.
© BLB NRW, Foto: Frank Alexander Rümmele
Auf einer gemieteten Fläche von rund 3.000 qm befinden sich Büros, Besprechungsräume, Archive und Hörsäle.
© BLB NRW, Foto: Rainer Rosenow
2009 zog das Mathematikzentrum in das denkmalkonform umgebaute und sanierte Gebäude ein in welchem ehemals die Landwirtschaftskammer Rheinland saß.
© BLB NRW, Foto: Benjamin Westhoff
Der Barockbau befand sich bereits 1818 im Eigentum der Universität unter Herrschaft der Preussen.
© BLB NRW, Foto: Benjamin Westhoff
Nach Ende des Weltkrieges wurde das Schloss wieder neu aufgebaut und musste 2014 dringend saniert werden.
© BLB NRW, Foto: Benjamin Westhoff
Das Zusammenspiel zwischen allen Beteiligten funktionierte auch bei der Denkmalpflege hervorragend.
Die historische Bausubstanz des Mathematikzentrums bleibt der Nachwelt erhalten 

Das ehemalige Gebäude der Landwirtschaftskammer Rheinland an der Endenicher Allee hat der BLB NRW ebenfalls denkmalkonform umgebaut und saniert. Dort konnte schon 2009 das Mathematikzentrum der Universität einziehen. „Bei den Sanierungsarbeiten hat uns der Brandschutz vor besondere Herausforderungen gestellt“, berichtet Dirk Gerhards, Projektleiter beim BLB NRW. „Den aktuellen Bestimmungen zu entsprechen und gleichzeitig möglichst viel der historischen Substanz zu erhalten war bei diesem Projekt das gemeinsame Anliegen von Denkmalbehörden, der Niederlassung Köln und der Universität.“

Die kooperative Projektumsetzung hat sich gelohnt: Allein das Jugendstil-Treppenhaus zieht schon bewundernde Blicke auf sich. Auch die Fassade zeigt sich nach Abschluss der Sanierungsarbeiten in neuem Glanz. Damit erhält der BLB NRW der Nachwelt eine besondere Kuriosität: Ursprünglich sollte das Gebäude komplett in Naturstein errichtet werden. Doch nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs war dieses Material nicht ausreichend vorhanden. So stellten die damaligen Bauherren aus dem vorhandenen Naturstein einen Steinputz her und gaben ihm nachträglich seine heutige Massivstein-Optik.

Imposanter Barockbau mit unterschiedlichen Bewohnern

Das imposanteste historische Gebäude in Poppelsdorf aber ist das Schloss. Der Barockbau ging bereits 1818 unter der Herrschaft der Preußen ins Eigentum der Universität über. 

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss fast vollständig zerstört und nach 1949 wiederaufgebaut. Dass im Zuge der Campusgestaltung auch das Poppelsdorfer Schloss hinsichtlich seines Sanierungsbedarfs auf den Prüfstand kommen sollte, war geplant. Dringlich wurde es jedoch, als sich 2014 einige Schieferplatten vom Dach lösten.

„In Abstimmung mit den für die Verkehrssicherheit zuständigen Objektmanagern haben wir das komplette Dach mit einem Hubsteiger abfahren lassen und erhebliche – nur aus dieser Perspektive erkennbare – Mängel festgestellt“, berichtet Werner Ockenfels, der für die Niederlassung Köln die Sanierungsmaßnahme leitet. 5.000 Quadratmeter Schieferdeckung und circa 7.000 Quadratmeter Fassadenflächen werden nun innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre erneuert.

Damit die nordrhein-westfälischen Hochschulen in Lehre und Forschung dauerhaft zu den besten Adressen in Deutschland und in Europa zählen, braucht es auch eine zeitgemäße Infrastruktur. Wie diese aussehen kann, zeigt der neue Campus Poppelsdorf in Bonn: Hier sind ein großes und modernes Hörsaalzentrum sowie neue leistungsfähige Institutsgebäude für die Informatik und die Ernährungswissenschaften entstanden. Weitere Laborgebäude auf dem neuesten Stand der Technik sind geplant und werden das bauliche Ensemble ergänzen. Gemeinsam mit dem BLB NRW haben wir den Neubau des Campus mit Hochdruck betrieben, denn wissenschaftliche Exzellenz benötigt passende bauliche Bedingungen.

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
Moderator und Koordinator

Eine wesentliche Rolle des BLB NRW bei solch umfangreichen Sanierungsmaßnahmen ist nicht nur die Bauherrenfunktion. Werner Ockenfels ist vor allem Moderator und Koordinator. Da sind die Anforderungen, die sich durch Verordnungen für den Brandschutz oder die Energieeffizienz ergeben. Die Nutzer des Gebäudes wünschen möglichst wenige Einschränkungen während der Bauzeit. Die Denkmalpflege wacht über die Maßnahme. „Bei diesem Projekt funktioniert das Zusammenspiel aller Beteiligten hervorragend“, berichtet Ockenfels. Selbst mit ein paar ganz besonderen Schlossbewohnern, um die sich der Projektleiter ungeplant kümmern musste, funktioniert die Kommunikation: Einen Teil des Dachstuhls hat nämlich eine Fledermaus-Kolonie bezogen. In Abstimmung mit dem Artenschutz kann das Habitat auch nach der Sanierung bleiben, allerdings wird der „Wohnbereich“ etwas kleiner und von den Technik- und Lagerräumen, die sich ebenfalls auf dem Dachboden befinden, getrennt.

Die Tücke sitzt im Detail

Immer nur harmonisch verläuft das Projekt allerdings nicht. Das liegt aber weder an Menschen noch Tier, sondern am Erbe, welches vermeintliche Innovationen aus den 1950er Jahren hinterlassen haben. Bei der Analyse der sanierungsbedürftigen Fenster stellte sich heraus, dass damals mit Asbest belasteter Fensterkitt verwendet wurde. Ein Sanierungskonzept wird derzeit erarbeitet. Nach 20 Jahren Erfahrung mit der Sanierung denkmalgeschützter Gebäude nimmt es Werner Ockenfels gelassen: „Historische Gebäude bergen häufig Überraschungen, die erst während der Projektarbeiten zutage treten. Oft sitzt die Tücke im Detail.“ Auch in den alten Dachpappen stellten die Experten Schadstoffbelastungen fest. Deren Erneuerung ist jedoch bei der Sanierung von Bestandsgebäuden Routine. Geplant ist, die Sanierungsmaßnahmen in zwei Bauabschnitten bis Ende 2020 abzuschließen.


Nachgefragt bei
Sigrid Röttgen
Assetmanagerin in der Niederlassung Köln
Sie sind beim BLB NRW in der Organisationseinheit Assetmanagement tätig und haben Projekte auf dem Campus Poppelsdorf in Bauherrenfunktion betreut. Was waren die Herausforderungen für Sie?

Beim ersten Bauabschnitt stellten uns die komplexen Strukturen, die die Einbindung des „neuen Viertels“ in die durch denkmalgeschützte Gebäude geprägte Umgebung verlangten, vor besondere Herausforderungen. Die engen Abstimmungen zwischen der Stadt, der Universität und der Niederlassung Köln des BLB NRW waren von essenzieller Bedeutung: Dabei ging es um einen neuen Bebauungsplan, die Verkehrslenkung in und um den Campus sowie die Einbindung in den Stadtteil durch ein freiraumplanerisches Konzept. Hinzu kamen Gespräche mit verschiedenen Landesbehörden. Bei einer Kernsanierung ist vor allem der kontinuierliche Kontakt mit dem Amt für Denkmalschutz wichtig, um die Interessen des Denkmalschutzes und die eines modernen Lehr- und Forschungsbetriebs in Einklang zu bringen.

Haben Sie vergleichbare Projekte auch schon an anderen Standorten betreut?

Jedes Projekt ist einzigartig. Bevor ich als Assetmanagerin die Betreuung des Kunden „Universität Bonn“ übernommen habe, habe ich als Projektleiterin große Neubauprojekte für das Universitätsklinikum Bonn betreut, die wiederum ganz andere Anforderungen hatten.

Der Grundriss und die Nutzung von Baudenkmälern entsprechen nicht immer den heutigen Wünschen und Vorstellungen. Passen Denkmalschutz und universitäres Leben überhaupt zusammen?

Für hochtechnisierte Labore sind denkmalgeschützte Gebäude weniger geeignet. Aber für Büro- und Seminarräume kann man die Grundrisse in Absprache mit der Denkmalbehörde durchaus anpassen. So wurden zum Beispiel beim Geozentrum große CIP-Pools und Seminarräume eingebaut. Die Kombination von historischen und modernen Gebäuden macht wesentlich den Charme des neuen Campus aus.

Wie viele denkmalgeschützte Bauten befinden sich im Portfolio der Niederlassung Köln?

Im Portfolio der Niederlassung Köln befinden sich 102 Denkmäler, davon allein auf dem Campus Poppelsdorf 19.

Vielen Dank für das Gespräch!

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