Archivgebäude und Wahrzeichen im Duisburger Innenhafen

Ob von der Autobahn oder aus dem Zugfenster: Das neue Hauptgebäude des Landesarchivs NRW (LAV) in Duisburg ist weithin sichtbar. Und es zieht durchaus Blicke auf sich, denn das LAV ist in seiner Architektur einzigartig – und dadurch längst zu einem Wahrzeichen im Duisburger Innenhafen geworden.

Eine außergewöhnliche Gebäudekomposition

Als Grundlage des neuen Gebäudekomplexes diente dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) ein altes Speichergebäude. Aus seiner Mitte ragt nun ein hellroter Klinkerturm 76 Meter empor. Seitlich schlängelt sich wellenförmig ein rot verputzter Anbau am Hafenbecken entlang, „die Welle“ genannt. Auf insgesamt knapp 207 Meter Länge bringt es diese Gebäudekomposition, die das neue LAV bildet. Zwei alte Hafenkräne vor dem Wellenbau bilden zusammen mit dem Speichergebäude den historischen Kern des neuen Bauwerks. Sie führen die industrielle Vorgeschichte des Geländes vor Augen. Der Entwurf zum dem Großprojekt stammt vom Architekturbüro Ortner & Ortner Berlin.

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Foto: krischerfotografie

Ausreichend Platz auch für die Zukunft

Unter der neuen Anschrift in der Schifferstraße finden sich die Zentralen Dienste, der Fachbereich Grundsätze und das rheinische Archivgut, das zuvor auf die Standorte Brühl und Düsseldorf aufgeteilt war. Dabei ist das Gebäude so konzipiert, dass es auch auf lange Sicht ausreichend Platz für die stetig wachsende Menge an Archivalien bietet. Insgesamt können hier derzeit schon bis zu 148 Regalkilometer Archivgut aufgenommen werden. Das gesamte Landesarchiv-Gebäude umfasst eine Mietfläche von über 39.400 Quadratmetern. Ein Teil der Büroflächen ist augenblicklich noch anderweitig vermietet, da die Archivare die Gesamtfläche erst langfristig benötigen werden.

Die Archivalien werden derzeit im alten Speichergebäude, dem Turm und dem Untergeschoss der Welle gelagert. Diese Gebäudeteile sind bewusst nicht mit Fenstern ausgestattet. Beim Speichergebäude wurden sie extra zugemauert, damit die alten Materialien nicht durch Lichteinfall beschädigt werden. Der geschlängelte Neubau dagegen bietet auch Platz für Büros und Werkstätten, einen Ausstellungsraum sowie einen Lesesaal, in dem das Archivgut eingesehen werden kann. Der Zugang zum Gebäude erfolgt über das Foyer an der Schnittstelle zwischen den beiden Gebäudeteilen.

2013 ist das Landesarchiv eingezogen, 2014 wurde es eröffnet

Nachdem man Ende 2010 mit den Bauarbeiten beginnen konnte, hat der BLB NRW das Gebäude im Oktober 2013 an das Landesarchiv übergeben. Erst nach Erreichen der erforderlichen Klimawerte in den Magazinen konnte mit den aufwendigen Umzugsarbeiten begonnen werden. Anfang Mai 2014 wurde das neue Landesarchiv NRW in Duisburg offiziell eröffnet.

Auch nach der Übergabe des Archivkomplexes an den Nutzer gibt es für den BLB NRW noch etwas zu tun: Die Gestaltung des zur Straße hin gelegenen Vorplatzes z.B. wird im Frühjahr 2015 fertiggestellt. Auf der anderen Gebäudeseite wird der BLB NRW zudem noch die beiden alten Hafenkräne instandsetzen, nachdem die Stadt Duisburg ihre Arbeiten an der Uferpromenade beendet hat.

Hohe Investitionssumme wird langfristig über Mieteinnahmen refinanziert

Der BLB NRW hat Gesamtprojektkosten von rund 190 Millionen Euro in den Bau des neuen Landesarchivs investiert. Darin enthalten sind auch rund eine Million Euro für die Instandsetzung der Kräne. Der BLB NRW refinanziert seine Ausgaben durch die jährlichen Mietzahlungen des Landesarchivs NRW. Dazu kommen Mietzahlungen von anderen Nutzern, die in Gebäudebereiche eingezogen sind, die das LAV erst zu einem späteren Zeitpunkt für die eigenen Zwecke brauchen wird. Da es sich beim Landesarchiv um einen Nutzer mit Spezialanforderungen handelt, der nun ein Gebäude mit für lange Zeit ausreichenden Kapazitäten bezogen hat, konnte bei der Kalkulation von einem vergleichsweise langfristigen Mietverhältnis für den Standort am Duisburger Innenhafen ausgegangen werden.

Ein erster Beschluss des BLB-Verwaltungsrates stammt aus dem Jahr 2008 und hatte Baukosten in Höhe von rund 140 Millionen Euro vorgesehen.

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Platzsparende Rollregale | Foto: krischerfotografie
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Blick in das Foyer | Foto: krischerfotografie
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Platzsparende Rollregale | Foto: krischerfotografie

 


Welche Faktoren sich auf die Baukosten auswirkten

Die Kostensteigerung ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Nach der Genehmigung der ursprünglichen Summe hatten sich die genauen Anforderungen und bauseits zu erbringenden Leistungen durch die fortgeschriebene Planung weiter konkretisiert. Beispielhaft dafür seien genannt die Erhöhung des tatsächlichen Regalbedarfs (Mehrbedarf von 134 auf 148 km), die ursprünglich nicht einkalkulierten Ausbaukosten (Regalanlagen, Aktentransportanlage) sowie der höhere Ertüchtigungsaufwand des alten Speichergebäudes. Die Steigerung des Baupreisindexes, die korrespondierenden Steigerungen im Bereich Baunebenkosten und Bauzeitzinsen sowie eingetretene Risiken wie Hochwasser sowie die Beseitigung von Altlasten trugen weiter zur Kostensteigerung bei.

Die Mehrkosten beim LAV-Bau werden vom BLB NRW selbst getragen. Der Landeshaushalt bleibt davon unberührt.

Öffentliche Kritik und Aufarbeitung der Projektrealisierung

Bezüglich des LAV-Baus sah sich der BLB NRW teils heftiger öffentlicher Kritik ausgesetzt. Bemängelt wurde vor allem die Kostendifferenz gegenüber den im Zuge der ursprünglichen Projektentwicklung kalkulierten rund 30 Millionen Euro. Dabei handelte es sich jedoch um einen ersten Schätzwert für die reinen Baukosten – ohne Bauzeitzinsen und Projektrisiken – eines möglichen Neubaus auf einer grünen Wiese. Für die anspruchsvolle Realisierung des LAV-Baus im Duisburger Innenhafen wurden diese Zahlen beim BLB NRW zu keinem Zeitpunkt zugrunde gelegt.

Die tatsächlich entstandenen Mehrkosten beim Landesarchiv-Bau sind – neben anderen Themen – Gegenstand eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses im NRW-Landtag.

Offene Fragen gibt es auch rund um den Grundstückserwerb durch den BLB NRW. Ein privater Investor hatte vor dem BLB NRW das Grundstück von der Stadt Duisburg gekauft und dieses dann für einen deutlich höheren Preis an den BLB NRW weiterverkauft. In dieser Frage ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Wuppertal.

Projektbeteiligte

BLB NRW

Jürgen Bendzko, Theo Toennes

Beteiligte Büros

Architekten Ortner+Ortner,

Hochtief AG

Zarinfar Baumanagement Köln

 

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Bildergalerien zum Landesarchiv

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