Neuer Ersatzbau für die Fachbereiche Chemie und Physik der TU Dortmund

Raum für Spitzenforschung schaffen, lautete das Credo als der BLB NRW begann, Ersatzbauten für die Fachbereiche Chemie und Physik der Technischen Universität Dortmund zu errichten. Im fertiggestellten Bau befinden sich heute moderne und funktionale Labore. Außen ermöglicht ein offener Innenhof, den verklinkerte Gebäudemauern umschließen, Pausen im Freien zu verbringen. Auszeiten haben sich die Akademiker aus Dortmund nach dem Forschen nach zukunftsweisenden Erkenntnissen verdient. Durch kürzere Arbeitswege haben sie mehr Zeit für die Forschung.

Foto: Secci

Wenn im 27 km langen Teilchenbeschleuniger am Europäischen Kernforschungszentrum CERN Materie bis auf Lichtgeschwindigkeit gebracht wird, erfreuen sich Elementarphysiker nicht selten revolutionärer Erkenntnisse wie z. B. dem Nachweis des Gottesteilchens 2012. Einen Anteil an Erfolgen wie diesen haben die Physiker der Technischen Universität (TU) Dortmund. Sie entwickeln beispielsweise hochpräzise Sensoren und Messgeräte für die Forschungsanlage.
Wissenschaftliche Arbeit auf diesem Niveau braucht natürlich adäquate, hochmoderne Anlagen und Räumlichkeiten. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) hat für die Fachbereiche Chemie und Physik daher einen Ersatzneubau realisiert. Langfristig soll das komplette Bestandsgebäude frei gezogen und – abgesehen von den aufzugebenden Flächen, für die Ersatzneubauten geschaffen wurden – abschnittsweise kernsaniert werden.


Außen Klinker, innen modernste Forschungs- und Laborgeräte

Der Ersatzneubau ist auf der ehemaligen Grünfläche unmittelbar vor dem Bestandsgebäude an der Otto-Hahn-Straße entstanden. Er ist an zwei Stellen mit dem bestehenden Universitätsbau verbunden. Nach außen zeigt sich das neue Gebäude als quadratischer Klinkerbau. Während sich das Sockelgeschoss über die gesamte Grundfläche des Baus erstreckt, ziehen sich die Stockwerke darüber ringförmig um den offenen Innenhof in der Gebäudemitte. In der obersten Ebene ist die zweigeschossige Technikzentrale untergebracht. Mit ihrer champagnerfarbenen Aluminiumblechverkleidung bildet sie auch optisch einen Abschluss des Gebäudes. Kubatur und Materialität fügen sich in die Vorgaben des städtebaulichen Masterplans ein.

Unterhalb der Technikzentrale (Ebene 4) stehen den Wissenschaftlern in den Ebenen 1, 2 und 3 Büros, Besprechungsräume, Labore und Arbeitsplätze zur Verfügung. Wer durch den Innenhof im Erdgeschoss geht, weiß unter sich das Großgerätezentrum, das sich mit einigen wenigen Laboren das teilweise unterirdische Sockelgeschoss teilt. Hier werden u. a. hochpräzise Messungen mit Hilfe von Supramagneten durchgeführt. Im Erdgeschoss selbst, der Ebene 0, sind neben weiteren Büros, Besprechungsräumen und Arbeitsplätzen auch Seminarräume sowie Praktikumslabore untergebracht.

In dem Ersatzneubau stehen den Forschern moderne und funktional präzise abgestimmte Räumlichkeiten zur Verfügung. Hier ergeben sich deutliche Synergieeffekte und kurze Wege im Vergleich zur historisch gewachsenen Struktur im Bestandsgebäude. Auch in Sachen Energieeffizienz setzt der Ersatzneubau Maßstäbe: Hocheffiziente Rückgewinnungssysteme für z. B. Wärme, Kälte und Helium tragen zur Optimierung des Energieverbrauchs bei. Die derzeit zulässigen Verbrauchswerte, die in der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgelegt sind, werden dadurch deutlich unterschritten.

Fotos: Secci

Beteiligte blicken auf anspruchsvolle Planungs- und Bauphase zurück

Nach dem Baubeginn im Februar 2010 konnte rund 17 Monate später Richtfest gefeiert werden. Ende Juli 2015 schließlich hat der BLB NRW das Gebäude an die TU Dortmund übergeben. Damit ging die fünfjährige Bauzeit zu Ende, die nach anfänglicher Planung deutlich kürzer hätte ausfallen sollen. Eine ganze Reihe von Schwierigkeiten im Bauverlauf führte zu den Verzögerungen. Beispiele dafür finden sich schon bei den Tiefbauarbeiten in dem anspruchsvollen Baugrund: So mussten die Arbeiten am Grubenverbau durch aufwendige Testmessungen begleitet werden.
Für deutlich größere Verzögerungen im Bauablauf sorgten allerdings die Insolvenzen von gleich zwei beauftragten Firmen. Dadurch konnten die Fassaden zunächst nicht planmäßig geschlossen und der Innenausbau nicht wie geplant starten. Zudem sah sich der BLB NRW im Bauverlauf gezwungen, mehreren Firmen wegen Schlechtleistung zu kündigen, denen er zuvor nach den Vorschriften des Vergaberechts einen Auftrag erteilt hatte. Teilweise waren das Firmen aus Schlüsselgewerken, sodass erhebliche Störungen im Bauablauf und Behinderungen der Folgegewerke nicht zu vermeiden waren. Die erheblichen Mehrkosten, die sich hierdurch ergeben, werden den gekündigten Firmen zur Last gelegt.
Bei dem Bauprojekt, in dem zukünftig Spitzenforschung betrieben werden soll, haben sich die Anforderungen über die Planungs- und Ausführungsphase immer wieder geändert. Eine detaillierte Nutzerbedarfsanforderung ist aber für den BLB NRW eine entscheidende Voraussetzung für eine kostengenaue Planung.

Über 80 Mio. Euro Landesmittel machen Ersatzneubau möglich

Insgesamt werden nach aktuellem Stand (02/2015) rund 82,3 Millionen Euro in den Ersatzneubau investiert. Der Betrag wird aus dem Hochschulmodernisierungsprogramm des Landes (HMoP) teilrefinanziert. In der Investitionssumme von 82,3 Millionen Euro sind ca. 3,5 Millionen Euro für den aufwendigen Umzug eingerechnet. Ebenso enthalten sind gut 9,2 Millionen Euro kalkulatorische Bauzeitzinsen sowie ein Risikobudget von 1,9 Millionen Euro. Die reinen Planungs- und Baukosten sind mit 67,6 Millionen Euro veranschlagt.
Das Budget für Planungs- und Baukosten wurde mit der Hochschul-modernisierungsvereinbarung 2009 mit 54,6 Millionen Euro vorgegeben. Der Anstieg auf aktuell 67,6 Millionen Euro ist mit den zahlreichen oben dargestellten Herausforderungen und Schwierigkeiten zu erklären. Gleichzeitig mussten während der Bauphase die kalkulatorischen Bauzeitzinsen neu beziffert werden, da diese aufgrund der längeren Bauphase höher ausfallen werden als zunächst geplant.
Auch bei der aktuell gültigen Investitionssumme von 82,3 Millionen Euro handelt es sich um vorläufige Zahlen. Die tatsächlichen Kosten werden erst nach der Schlussrechnung feststehen und voraussichtlich etwas höher liegen. Bei dieser Annahme sind eventuelle Schadens-ersatzforderungen allerdings noch nicht berücksichtigt. Derzeit prüft der BLB NRW, ob und in welchem Umfang verantwortliche Baufirmen an den entstandenen Mehrkosten beteiligt werden können.

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Fotos: BLB NRW

Vor der Bestandssanierung kommt zweiter Neubau

Nachdem der BLB NRW das Gebäude Ende Juli 2015 an die TU Dortmund übergeben hat, war der Weg frei für die ersten Umzüge der Wissenschaftler in ihre neuen topmodernen Arbeitsbereiche im Sommer. Bis die Sanierung der Bestandsgebäude beginnen kann, die ja der Ausgangspunkt für den Ersatzneubau war, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Denn erst wenn auch der zweite Ersatzneubau, der direkt daneben entsteht, voraussichtlich Ende 2018 fertiggestellt und der Umzug abgeschlossen ist, kann der erste Sanierungsabschnitt im Bestandsgebäude vollständig frei gezogen werden und die Arbeiten können beginnen.

Die ursprünglichen Pläne sahen noch etwas anders aus: Nur ein Ersatzneubau sollte entstehen, die Forscher hätten dann in mehreren Umzügen Teilbereiche des alten Gebäudetraktes freigezogen und so deren Sanierung ermöglicht. Aufgrund der zwingend benötigten, extrem komplexen Lüftungstechnik für die Praktikumssäle musste diese Idee aber verworfen werden. Ein positiver Nebeneffekt der Planänderung ist, dass die Wissenschaftler nun alle vergleichsweise zeitnah in hochmodernen Räumlichkeiten mit kurzen Wegen untergebracht werden und dazu nicht die langwierige Sanierung des Bestandsgebäudes abwarten müssen. Stattdessen finden sie in den beiden Neubauten schon bald bzw. teilweise schon jetzt optimale Bedingungen für ihre Arbeit vor. Diejenigen Teilflächen des Bestandsgebäudes, die saniert und nicht aufgegeben werden, werden nunmehr weniger hoch installierten Nutzungen vorbehalten sein.

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Fotos: BLB NRW/ Secci



Projektbeteiligte

BLB NRW Dortmund

Ludger Stollbrink, Wolfgang Gunia (zeitweise), Melda Dinekli, Manuela Sander, Sabrina Gernert (zeitweise), Petra Kuckuck-Schmidt, Detlef Albrecht, Peter Keller, Bodo Marsollek, Detlev Klippert, Caroline Bohnen (zeitweise)


Beteiligte Büros

Planungsbüro Rohling pbr AG,

Wolfgang Krämer-Evers Ingenieurbüro f. angewandte Bauphysik,

Osnabrück Ingenieurbüro R. Mühlbacher GmbH, Hildesheim,

Werner Flüssmeyer Vermessungsbüro,

Siegmar Biedebach Grundbauinstitut,

KÖTTER Consulting Engineers,

wbp Landschaftsarchitekten Ingenieure, Bochum

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Auf einen Blick

Chemie, Logistik und Medizinphysik, aber auch Musikjournalismus, Sport und Textilgestaltung können Wissbegierige an der Technischen Universität Dortmund studieren. Insgesamt können die derzeit gut 34.000 Studierenden zwischen rund 80 Studiengängen wählen. Besondere Aufmerksamkeit bekamen die Physiker, sie entwickelten Sensoren für die CERN-Forschungsanlage.

Auf einen Blick

  • Anzahl der Geschosse: 6
  • Mietfläche: 14.661 m²
  • Kosten pro m² Bruttogeschossfläche: ca.  3790 €/m²*
  • Baubeginn: Februar 2010
  • Übergabe des Gebäudes: Juli 2015

 
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