Regionales Trainingszentrum in Dortmund

Für das Regionale Trainingszentrum Ruhrgebiet Ost (RTZ RO) der Polizei hat die BLB-Niederlassung Dortmund nicht etwa einen Neubau errichtet, sondern zwei leer stehende Hallen umgebaut.

Zwei robuste Prüfhallen kreativ und sinnvoll umgenutzt

Das neue Regionale Trainingszentrum auf dem ansonsten auch für andere Nutzer der Liegenschaft zugänglichen Gelände erhielt natürlich auch eine neue Zaun- und Schrankenanlage, die den Sicherheitsvorstellungen der Polizei entspricht.

Regionales Trainingszentrum der Polizei in Dortmund

Für das Regionale Trainingszentrum Ruhrgebiet Ost (RTZ RO) der Polizei hat die BLB-Niederlassung Dortmund nicht etwa einen Neubau errichtet, sondern zwei leer stehende Hallen umgebaut. Wo früher das Materialprüfungsamt (MPA) NRW die für den Kohleabbau unter Tage gedachten Bergbauschilde getestet hat, wird jetzt mit Munition geschossen. Der Mut zu dieser kreativen Lösung hat sich gelohnt. 3300 Polizeibeamte sind hochzufrieden mit den exzellenten Trainingsbedingungen im RTZ RO.

Über Jahrzehnte hinweg war das MPA der beinahe alleinige Nutzer des Geländes an der Marsbruchstraße in Dortmund. Nun hat es Aufgaben reduziert und Gebäude aufgegeben. Matthias Holtmann vom BLB NRW muss jetzt neue Nutzer finden. „Das ist wie puzzeln“, sagt er. Eine alte Halle, in der einst Dummys durch Autoscheiben flogen, hat er an die Bezirksregierung Arnsberg vermietet, die dort Akten lagert. In zwei kleineren Gebäuden sitzt seit vielen Jahren der Landesbetrieb Mess- und Eichwesen. Die Polizei ist nun also der vierte Mieter auf der einstmals so homogenen Landesliegenschaft. Holtmann stellt sich auch den damit einhergehenden logistischen Herausforderungen: Für das MPA muss die Pforte nur tagsüber besetzt sein, die Polizei aber braucht für mögliche spezielle Einsatzlagen Zufahrtskontrollen rund um die Uhr.

Als der BLB NRW unlängst in Schloß Holte-Stukenbrock bei Bielefeld für die Polizei erstmalig ein Trainingszentrum errichtete, setzte man auf einen Neubau. Die dortige Polizei-Liegenschaft bot genug Platz, um die Musterplanung des Innenressorts idealtypisch umzusetzen. In Dortmund hatte Holtmann schnell eine andere Idee, als auch dort ein RTZ geplant werden sollte. Vier Schießbahnen wollte die Polizei haben – und die, das war rasch klar, würden genau in die alte MPA-Halle 16 passen. Die benachbarte Halle 15 schien bestens geeignet, um das gewünschte Trainingshaus aufzunehmen.

Als die beiden Hallen in den 1980er Jahren errichtet wurden, war Matthias Holtmann schon Bauleiter auf dem Gelände. Enorme Mengen Beton seien damals verbaut worden, um die Hallen zu wappnen für die immensen Kräfte, die bei den Tests an den Bergbauschilden entfesselt werden sollten. „Es wäre gar nicht so einfach gewesen, diese Hallen abzureißen“, sagt Holtmann. „Die sind sehr robust. Gut so, denn beim Polizeitraining geht es ja schließlich auch ganz schön zur Sache.“

In der befahrbaren Trainingshalle führten Polizisten bei der Einweihung des RTZ im Frühjahr 2016 einige Übungen mit Einsatzfahrzeugen vor.

Polizeioberkommissar Marc Rogner vom RTZ-Seminarbüro kann das bestätigen. Rund eine Millionen Schuss Einsatzmunition werden im RTZ pro Jahr abgefeuert. Eine rechnerunterstütze interaktive Videoanlage projiziert virtuelle Ziele auf die Wände der vier Schießbahnen. Im Trainingshaus gegenüber sind typische Einsatzorte nachgebildet: Gewahrsam, Bankschalter, Laden, Kneipe, Täterwohnung, Klassenzimmer. Weiche Gummiböden schützen in bestimmten Bereichen von unnötigen Trainingsverletzungen. Vom Regieraum aus können das Licht gesteuert, Geräusche eingespielt und sogar Nebelmaschinen aktiviert werden. Auf Monitoren ist zu sehen, was die überall im Haus verbauten Kameras für die spätere „Manöverkritik“ aufzeichnen. An einer Rammentür trainieren die Beamten, eine Tür mit Gewalt zu öffnen. Im Mauerwerk verbaute Elektromagnete bestimmen den Widerstand. Bei Stufe 4 muss mit einer Ramme gearbeitet werden. Türblatt, Rahmen und Mauer sind entsprechend verstärkt.

Alle baulichen und technischen Details des neuen RTZ wurden mit der Polizei eng abgestimmt. Auch aus „Kinderkrankheiten“ des Vorläufers in Schloß Holte-Stukenbrock hat man gelernt und zum Beispiel bessere Lautsprecher eingebaut. „Unserem Motto sind wir trotzdem treu geblieben: So viel wie nötig und so wenig wie möglich“, sagt Matthias Holtmann. Ein kompletter Neubau, da ist er sich sicher, wäre teurer gekommen, ohne dass er der Polizei mehr geboten hätte.

Der BLB NRW würde gerne noch weitere leer stehende Bereiche der Liegenschaft für die Polizei herrichten. Gleich nebenan könnten die Beamten Amok- und Terrorlagen trainieren, um für Anschläge noch besser gewappnet zu sein.

Zahlen und Fakten

Projektbeteiligte beim BLB NRW Dortmund

Assetmanager Matthias Holtmann
Objektmanager Rolf Seyffarth (Polizei) und Markus Cislo (MPA NRW)
Projektverantwortlicher Hans-Albert Uitz

Drei Fragen an Polizeioberkommissar Marc Rogner vom RTZ-Seminarbüro

Bild zu 3 Fragen an Marc Rogner Polizeioberkommissar Marc Rogner vom RTZ-Seminarbüro

Hand aufs Herz: Was dachten Sie, als der BLB NRW den Vorschlag unterbreitet hat, das RTZ in zwei alten Bergbau-Prüfhallen unterzubringen?

Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als ich zum ersten Mal in dieser Halle gestanden habe. Es hat in Strömen geregnet. Und das Wasser lief an den Wänden herunter – wohlgemerkt von innen. Da habe ich mich schon gefragt, wie das funktionieren soll und ob das wohl gut wird.

Und ist es gut geworden?

Wir sind sehr zufrieden mit den optimalen Möglichkeiten im RTZ, denn wir können hier unter sehr realitätsnahen Bedingungen trainieren. Ich gehöre ja dem Polizeipräsidium Dortmund an, das lange Zeit ohne eigene Raumschießanlage auskommen musste. Unsere 2200 Beamtinnen und Beamten mussten immer anderswohin ausweichen und dort häufig abends trainieren, wenn die Bahnen dort frei waren. Das war keine gute Situation. Aber von solchen Zuständen sind wir hier ja nun zum Glück Lichtjahre entfernt.

Was ist Ihre Aufgabe im Seminarbüro des RTZ?

Wir sind hier zu elft und organisieren den Betrieb im RTZ. Die Polizeibehörden Dortmund, Hagen, Soest und Unna beschäftigen immerhin 3300 Beamtinnen und Beamte. Wir koordinieren, wer von ihnen wann welche Schießbahn oder welchen Bereich im Trainingshaus nutzen darf, damit es nicht zu Terminkollisionen kommt.


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