Denkmalpflege auf dem LAFP-Gelände

Heute steht das Bildungszentrum der Polizei in Stukenbrock für Ordnung, Recht und demokratische Werte. Es bildet Polizeibeamte in modernen Landesgebäuden aus- und fort. Doch die 5,6 Hektar große Liegenschaft nahe Bielefeld hat eine dunkle Vergangenheit.

Gebäude erinnern an 65.000 sowjetische Nazi-Todesopfer

Arrestgebäude des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers

Denkmalpflege auf dem LAFP-Gelände in Stukenbrock

Heute steht das Bildungszentrum der Polizei in Stukenbrock für Ordnung, Recht und demokratische Werte. Es bildet Polizeibeamte in modernen Landesgebäuden aus- und fort. Doch die 5,6 Hektar große Liegenschaft nahe Bielefeld hat eine dunkle Vergangenheit. Zwischen 1941 und 1945 starben hier etwa 65.000 sowjetische Kriegsgefangene – im Stammlager (kurz Stalag) 326 (VI K) Senne der Nazis. Die unheilvolle Geschichte des Grundstücks gibt auch dem BLB NRW als seinem heutigen Eigentümer zusätzliche Aufgaben auf.

Natürlich kümmert sich der BLB NRW um die Polizeigebäude, hat zuletzt auch viel neu gebaut. Zusätzlich gilt es aber, die denkmalgeschützten Häuser, die an das Nazi-Lager erinnern, zu erhalten. Drei solche Gebäude gibt es noch auf dem Gelände des Bildungszentrums

Arrestgebäude

In dem 1941 errichteten Arrestgebäude ist heute die Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne untergebracht. Der gleichnamige Förderverein hat hier seit 1996 eine beeindruckende Ausstellung über das einstige Nazi-Lager zusammengestellt. Auch die drei noch verbliebenen von einstmals 30 Arrestzellen können besichtigt werden. Der Verein hält das ihm überlassene Gebäude aus Eigenmitteln denkmalgerecht in Schuss.

Entlausungsgebäude

Das Entlausungsgebäude von 1941/42 war damals erste Station für neu ankommende Gefangene. Seiner Fassade hat der BLB NRW in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden einen neuen Anstrich verpasst. Seither kommt auch das von zwei sowjetischen Kriegsgefangenen einst aus Sand, Wasser und Zement angefertigte Relief einer überdimensionalen Laus in der Mitte der Fassade wieder besser zur Geltung. Außerdem wurden die historischen Abluftanlagen auf dem Dach originalgetreu wiederhergerichtet, obgleich sie eigentlich nicht mehr benötigt werden, da im Gebäude natürlich keine „Entlausungsduschen“ mehr betrieben werden. Aktuell wird das Gebäude durch das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) der Polizei für eine geplante Ausstellung über die Geschichte der Polizei vorbereitet. Die Beleuchtung ist schon installiert, auch erste Exponate stehen bereits in den Räumen. Der BLB NRW achtet auch hier darauf, dass die Vorgaben des Denkmalschutzes eingehalten werden.

Die Kirche ist das dritte Denkmal auf der Liegenschaft in Stukenbrock.

Kirche

Die Kirche wurde von 1948 bis 1949 aus Bauteilen von alten Kriegsgefangenen-Barracken gebaut, und zwar von den ersten Flüchtlingen und Vertriebenen, die damals vom neuen Nutzer des Geländes, dem Sozialwerk Stukenbrock, aufgenommen worden waren. Seither ist das Gebäude stets als Kirche genutzt worden, bis 1970 durch das besagte  Sozialwerk, heute durch Polizeibeamte. Die Kirche hat der BLB NRW jüngst unter Zuhilfenahme alter Fotos in einen originalgetreuen Zustand versetzen lassen. Auf der neuen Dachhaut aus Bitumen wurden sogar wieder hölzerne Latten befestigt, obwohl sie anders als früher keine Funktion mehr haben. Behoben wurden zudem statische Probleme aus der Bauzeit. Und der Innenraum bietet nun wieder einen würdigen Rahmen für die Gottesdienste, die hier gelegentlich stattfindenden.

In der Trinkhalle können die Polizisten unter realistischen Bedingungen ihre Einsätze proben.

Neubauten

Für die Polizei hat der BLB NRW vor einigen Jahren außerdem diverse Neubauten errichtet, um den Polizisten optimale Bedingungen zu schaffen. Es entstanden eine moderne Raumschießanlage und ein neues Wirtschaftsgebäude mit einem campusartigen Umfeld. Neben Platz für die Verwaltung des LAFP ist darin auch eine moderne Kantine untergekommen. Unmittelbar an der gleichfalls unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Lagerstraße hat der BLB NRW zudem ein Multifunktionsgebäude gebaut. Hier sind diverse Räume entstanden, in denen Polizisten unter realistischen Bedingungen für typische Einsatzsituationen üben können – etwa ein Kiosk und ein Restaurant. Schließlich ist auf der Liegenschaft ein neues Regionales Trainingszentrum mit drei Schießbahnen, befahrbarer Halle, Trainingshaus und Schulungsräumen entstanden, das die sechs Kreispolizeibehörden aus Ostwestfalen-Lippe und das Polizeipräsidium Bielefeld seit 2012 gemeinsam nutzen.

Für die Liegenschaft zuständig beim BLB NRW Bielefeld

Wilfried Peitz (Objektmanagement)
Janina Gosejohann (Gebäudemanagement)

Drei Fragen an Oliver Nickel, Geschäftsführer der Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne

Foto zu 3 Fragen an Oliver Nickel Oliver Nickel, Geschäftsführer der Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne

Was war das Stalag hier in Stukenbrock zwischen 1941 und 1945 für ein Ort?

Was Auschwitz für die Juden war, das war Stukenbrock für die Sowjets. So haben das jedenfalls überlebende Gefangene später geschildert. Die Versorgung im Lager war katastrophal. Bis Ende 1941 lebten die Menschen in Erdhöhlen. Sehr viele sind an Unterernährung oder Seuchen gestorben. Wer noch arbeiten konnte, wurde ausgebeutet. 16.000 Tote von Stukenbrock sind bisher identifiziert, aber die Dunkelziffer ist hoch – und wird es womöglich auch bleiben.

Die Ausstellung soll ja ein neues Gesicht bekommen. Wie wird das aussehen?

Wir haben hunderte qualitativ sehr gute Fotos aus der Stalag-Zeit gesammelt, die das Herzstück der erneuerten Ausstellung bilden werden. Viele dieser Fotos stammen aus privaten Nachlässen. Oft stellen uns das Material Angehörige von Opfern zur Verfügung, die jetzt nach Stukenbrock kommen. Weil der Raum hier begrenzt ist, müssen wir die Exponate sorgsam auswählen. Und natürlich werden wir auch digitale Medientechnik einsetzen, um Materialien knackig, kompakt und interessant zu präsentieren und in einen Kontext einzubetten. 2018 oder 2019 soll alles fertig sein.

Unlängst ist bei Erdarbeiten des BLB NRW auf dem Gelände zufällig eine Kiste mit Stalag-Erkennungsmarken ausgegraben worden. Wie wird dieser Fund nun ausgewertet?

In der Kiste waren etwa 1000 noch unbenutzte Marken, die wohl kurz vor der Befreiung des Lagers von den Nazis verbuddelt worden sind. Mit ihrer Hilfe können wir nun die Menschenmassen illustrieren, die hier interniert waren oder in dem Fall noch werden sollten. Diese Marken sind durchnummeriert und tragen alle Zahlen ab 180.000. Das bestätigt alte Forschungsergebnisse, nach denen rund 180.000 Gefangene in Stukenbrock erstmalig registriert wurden. Viele andere wurden woanders erfasst und dann hierher geschickt.


Bildergalerie Denkmalpflege auf dem LAFP-Gelände

 
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