Neubau auf dem Campus der Fachhochschule Bielefeld

In neuen Experimentierhallen und Hörsälen können die Studierenden der Fachhochschule Bielefeld (FH) forschen und lernen. Mit dem Neubau stehen ihnen rund 81.000 neu erschlossene Quadratmeter bereit. Als Bauherr und Investor legt der BLB NRW mit diesem Bau fünf FH-Standorte zusammen. Die vorherigen Gebäude der Fachhochschule entsprachen nicht mehr dem aktuellen Standard. Zunächst war eine Sanierung geplant, doch die Kalkulation der Modernisierungsmaßnahmen zeigte, dass sich diese nicht lohnen würden.

„Gibt es gar nicht“ – das ist die Verknüpfung, die viele Ortsfremde aufgrund einer nicht ganz ernst gemeinten, aber weit verbreiteten Verschwörungstheorie zu Bielefeld haben. Erst einmal in der 330.000-Einwohner-Stadt angekommen, staunen die meisten nicht schlecht, was die ostwestfälische „Metropole“ alles zu bieten hat. Spätestens nach einem Besuch auf dem Campus Bielefeld heißt es dann eher: „Das gibt’s doch gar nicht!“.

Der Campus Bielefeld

Zum Campus-Projekt gehört auch die schrittweise Sanierung des Hauptgebäudes der benachbarten Universität. Bereits fertiggestellt sind der Forschungsbau „Cognitive Interaction Technology“ und das Gebäude X, in dem auch die von FH und Uni gemeinsam genutzte Mensa untergebracht ist. Entwickler, Planer, Bauherr und Investor baulicher Maßnahmen auf dem Campus Bielefeld ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) mit seiner Bielefelder Niederlassung. Insgesamt investieren das Land NRW, der BLB NRW und die beteiligten Hochschulen in den kommenden Jahren mehr als eine Milliarde Euro, um hier moderne Gebäude, eine erstklassige Infrastruktur und so optimale Forschungs- und Studienbedingungen zu schaffen. Der Neubau der Fachhochschule Bielefeld ist heute schon ein Hingucker.

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Architektur: Auer Weber - Fotos: Aldo Amoretti

Die fünf Bielefelder Standorte ziehen unter ein Dach

Der Neubau wird das neue, gemeinsame Zuhause für die fünf bisherigen Bielefelder Standorte der Fachhochschule, Wilhelm-Bertelsmann-Straße, Am Stadtholz, Kurt-Schumacher-Straße, Lampingstraße und Universitätshauptgebäude. Daneben gibt es den Campus Minden der Fachochschule Bielefeld in einer ehemaligen Kaserne, den der BLB NRW umfassend saniert hat. Auch hier wurde im Juli 2015 ein Neubau an die Hochschule übergeben.
In Gütersloh bietet die Fachhochschule zwei praxisintegrierte Bachelor-Studiengänge an. Ein Großteil der rund 9.700 Studierenden (Stand 2014) der Fachhochschule wird jedoch in dem Bielefelder Neubau mit rund 81.000 Quadratmetern Mietfläche lernen und forschen.
Aber auch für Externe öffnet sich die Fachhochschule mit ihrem neuen Zuhause. Audimax und Konferenzbereich können beispielsweise – unabhängig vom Lehrbetrieb – durch einen Nebeneingang betreten werden und sind somit auch für externe Veranstalter interessant. Im Theaterraum ist Platz für Unterricht und für Kulturveranstaltungen gleichermaßen. Die 200 Meter lange Magistrale eignet sich für Ausstellungen. Und im Schülerlabor können schon Jugendliche bei spannenden Experimenten ihre Leidenschaft für die wichtigen MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) entdecken.

Gebäude überzeugt durch Struktur, Barrierefreiheit und Energieeffizienz

Genügend Raum für universitäre Veranstaltungen bieten die 16 Hörsäle, die entlang der 200 Meter langen Magistrale angeordnet sind. In den Obergeschossen sind die Fachbereiche untergebracht, denen hier auch Seminarräume zur Verfügung stehen. Handfeste Praxis können die Studierenden in der Experimentierhalle sammeln, oder sie ziehen sich zur Lektüre in die neue Hochschulbibliothek zurück, die ebenfalls im Gebäude untergebracht ist. Am Ende muss aber auch der fleißigste Studierende einmal Pause machen. Mit zwei Café-Bars, einer Cafeteria mit Außengastronomie sowie der Mensa im nahegelegenen Gebäude X ist dafür alles angerichtet.
Das Gebäude überzeugt durch eine ansprechende, offene Gestaltung, großzügige Räumlichkeiten, eine klare Struktur und durch die moderne und funktionale Ausstattung. Besonderen Wert wurde in der Architektur auf die natürliche Belichtung der Hörsäle und Seminarräume gelegt. Der Gebäudesockel wird durch unterschiedlich große Innenhöfe gegliedert und belichtet. Alle Gebäudebereiche sind barrierefrei zugänglich. Auch in Sachen Energieeffizienz ist die FH nun ganz vorne. Der BLB NRW hat unter dem Gebäude eine der größten Geothermieanlagen Deutschlands installiert. Insgesamt 406 der 800 Pfähle im Baugrund wurden als sogenannte „Wärmetauscher“ ausgeführt. Die Wärmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom bis zu 4,5 Kilowattstunden Wärme.

 

 

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Moderne und zweckmäßige Ausstattung - hier am Beispiel eines Labors - bieten ein optimales Studien- und Lernumfeld. | Architektur: Auer Weber - Fotos: Aldo Amoretti
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Im Entree des Neubaus befindet sich neben der Cafeteria auch ein Info-Point. Die 200m lange Magistrale ist die Haupterschließung der Fachhochschule. | Architektur: Auer Weber - Fotos: Aldo Amoretti
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Viel Raum für studentisches Arbeiten wurde in den öffentlichen Bereichen des Neubaus geschaffen. | Architektur: Auer Weber - Fotos: Aldo Amoretti

Fachhochschule wurde im Sommer 2015 übergeben – Studienbeginn zum Wintersemester 2015/16

Im März 2009 kürte ein Preisgericht den Entwurf, der als Sieger aus dem Mitte 2008 vom BLB NRW ausgerufenen Realisierungswettbewerb hervorging. Danach starteten unter großem Zeitdruck die konkreten Planungen und parallel dazu die Ausschreibungen der Gewerke, bevor im November 2010 mit den Bauarbeiten begonnen wurde. Das Gebäude wurde im Sommer 2015 übergeben, Mitte Juli begannen die ersten Umzüge der Fachhochschule. Der Studienbetrieb wurde zum Wintersemester 2015/2016 aufgenommen.
Die ursprünglichen Pläne, das Gebäude schon zum Wintersemester 13/14 fertigzustellen, ließen sich nicht verwirklichen. Grund dafür war eine ganze Reihe von Problemen, die sich im Rahmen der Bauphase ergeben hatten und die teilweise auf den großen Zeitdruck zurückzuführen sind, der zur Folge hatte, dass die Ausschreibungen bei unzureichenden Planungsfortschritten begonnen wurden. Schon der Baugrund erwies sich als anspruchsvoller als durch die Vorgutachten ermittelt und sorgte für erste Schwierigkeiten und Verzögerungen bei den Tiefbauarbeiten. Eines der Hauptprobleme bestand zudem darin, dass eine beauftragte Firma im Innenausbau in Qualität und Zeitumfang deutlich hinter den vertraglichen Vereinbarungen zurückblieb. Dadurch kam es 2013 zu einer dominokettenähnlichen Reaktion, die den Zeitplan völlig durcheinanderbrachte, sodass die Baustelle zweitweise stillstand.

Die schnellstmögliche Fertigstellung hatte Priorität

Zu diesem Zeitpunkt war zu überlegen, den Bau zu stoppen und alle rechtlichen und bautechnischen Fragen vorab zu klären. Die Folge wären ein entsprechender Zeitverzug, eine gesteigerte Unsicherheit und eine Kostensteigerung durch den Zeitverzug sowie damit einhergehende Streitigkeiten gewesen.
Das Land NRW, die Hochschule und der BLB NRW haben sich nach Abwägung der Vor- und Nachteile für ein anderes Vorgehen entschieden: Sie setzten die Priorität klar auf eine zeitnahe Fertigstellung des Gebäudes, um der Fachhochschule das langerwartete Gebäude übergeben zu können. Der BLB NRW stellte eventuelle rechtliche Ansprüche hintan, sorgte für eine Neuaufstellung der Gewerke, leitete Beschleunigungsmaßnahmen ein und musste mit den ausführenden Firmen und Ingenieurbüros teilweise in neue, zähe Verhandlungen über die Leistungserbringung treten. Im 2. Quartal 2014 zeigten sich endlich Erfolge und die Baustelle konnte wieder so richtig Fahrt aufnehmen. Auch dieses Vorgehen barg weiterhin Risiken sowie zusätzliche Kosten durch Beschleunigungsmaßnahmen.

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Architektur: Auer Weber - Fotos: Aldo Amoretti

Alles viel zu teuer – oder doch nicht?

Wegen der Kosten beim Neubau der FH Bielefeld stand der BLB NRW wiederholt in der Kritik. In der Tat werden die Kosten, die veranschlagten 161 Millionen Euro übersteigen. Die im Hochschulmodernisierungsprogramm (HMOP) des Landes NRW festgelegte Summe war allerdings von Beginn an eine Schätzung der Bauministerkonferenz.
Da vorgesehen war, den Mehrbedarf der Hochschulen durch die doppelten Abiturjahrgänge 2013/14 zu decken, musste teilweise mit großer Eile und auf unzureichender Grundlage geplant werden. Aus heutiger Sicht hat sich also die erste Summe vor Abschluss der Planungen von 161 Mio. Euro als deutlich zu niedrig erwiesen und der BLB NRW hätte das Projekt so nicht beginnen dürfen.
Das gilt insbesondere, da der BLB NRW bereits frühzeitig Zweifel an der Höhe der Kosten angemeldet hatte. Eine intensivere Planung im Vorfeld hätte diesen Zweifeln recht gegeben und von Anfang an zu einer realistischeren Summe geführt. Unter dem Stichwort „Neuausrichtung“ haben das Finanzministerium NRW und der BLB NRW in den vergangenen Jahren gezielt Strukturen und Abläufe des BLB NRW dahingehend angepasst, dass Bauvorhaben auf einer so unsicheren Planungsgrundlage zukünftig nicht mehr begonnen werden.

Zeit ist Geld – Kostenentwicklung des Projekts

Der Hauptgrund für die Kostenentwicklung ist der Umstand, dass die ursprüngliche Kostenplanung deutlich zu niedrig war. Nichtsdestotrotz ist es natürlich auch durch die weiter oben geschilderten großen Probleme auf der Baustelle zu entsprechenden Teuerungen gekommen.
Auch die Beschleunigungsmaßnahmen, die der BLB NRW ergriffen hat, um entstandene Verzögerungen teilweise wieder aufzufangen, haben Mehrkosten verursacht.
Nachdem zwischenzeitlichen Baustillstand hat der BLB NRW eventuelle rechtliche Ansprüche hintangestellt und sich massiv um eine Beschleunigung des Baufortschritts bemüht, um zu verhindern, dass aufgrund eines noch längeren Stillstandes, alle Restarbeiten mit unkalkulierbaren Kosten- und Zeitauswirkungen neu ausgeschrieben und neu vergeben werden müssen. Diese Beschleunigungen führten zu Nachträgen und zu einer Anpassung des Risikobudgets. Zudem hat es einen deutlich höheren Materialverbrauch gegeben als geplant. Das liegt neben der unzureichenden Planung und Massenermittlung im Vorfeld auch daran, dass mangelhafte Bauleistungen rückgebaut und neu begonnen werden mussten.

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Architektur: Auer Weber - Fotos: Aldo Amoretti

Wer kommt für die Kosten auf?

Derzeit belaufen sich die genehmigten Gesamtprojektkosten auf rund 280 Millionen Euro. Diese Gesamtsumme berücksichtigt auch die Bauzeitzinsen und ein Budget für verbleibende Risiken. Sie wurde der Niederlassung Bielefeld des BLB NRW im September 2015 in einem vierten Nachtrag genehmigt, ist aber keine endgültige Kostenaussage. Die Schlussrechnung des Projekts dauert derzeit noch an und wird aufgrund anstehender Restarbeiten und juristischer Klärungen auch noch eine Weile in Anspruch nehmen.
Schon vor einiger Zeit hatte der BLB NRW eine außerplanmäßige Abschreibung für das Projekt vorgenommen. Das bedeutet, dass der BLB NRW das Projekt in seinem Jahresabschluss nicht mehr mit den Herstellungskosten bilanziert, sondern mit dem zu erwartenden, niedrigeren Ertragswert. Dies ist der Betrag, der ihm durch die Mietzahlungen der Hochschule über den prognostizierten Nutzungszeitraum refinanziert wird. Die Mehrkosten trägt der BLB NRW, der Landeshaushalt wird nicht belastet.

Lohnenswert: Neue FH zwischen Interaktion und Inspiration

Dieses Projekt hat sich gelohnt. Die FH Bielefeld hat mit dem modernen und technisch aktuellen Neubau eine notwendige Grundlage geschaffen, denn das ist eine Voraussetzung, um forschen zu können und als Lehranstalt frequentiert zu werden. Und die FH wird nachgefragt: Die Studierenden dort wandeln auf dem Pfad der Erkenntnis - da kann sich die FH Bielefeld sicher sein, denn „Pfad der Erkenntnis“ ist hier der offizielle Name eines Fußweges auf der Gebäuderückseite. Wer den Neubau umrundet, der gelangt anschließend über „Assoziation“ und „Interaktion“ (offizielle FH-Adresse) schlussendlich zur „Inspiration“. Und dass am Mittag der Magen knurrt und die Studierenden zur Mensa gehen, ist nur natürlich. Passenderweise ist der Weg dorthin auch der „Lauf der Dinge“. Mehr zum Namenskonzept auf dem Campus Bielefeld, zum gesamten Campus-Projekt und zur Fachhochschule finden Sie auf der Internetseite www.campus-bielefeld.de.


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Fachhochschule Bielefeld

Klima und Mobilität sind die Themenfelder, mit denen sich die Fachhochschule Bielefeld beschäftigt. In Studiengängen wie Infrastrukturmanagement und Regenerative Energien macht sie ihre Studierenden zu Experten für Zukunftsthemen. Die Bielefelder Studierenden können internationale Erfahrungen sammeln - weltweit ist die FH mit Partnerhochschulen vernetzt.

Zahlen und Fakten

  • 2009: Sieger des Realisierungswettbewerbs gekürt
  • 2010: Baubeginn
  • 2015: Übergabe des Gebäudes
  • 280 Millionen: Kosten für den Neubau
  • 16 Hörsäle zählt das neue Bauwerk
  • 406 von 800 Pfählen im Baugrund dienen als Wärmetauscher der Geothermieanlage

Weitere Informationen

Das neue FH-Gebäude ist Teil des "Campus Bielefeld"-Projekts.

Durch umfangreiche bauliche Maßnahmen für Fachhochschule und Universität Bielefeld entsteht hier seit einigen Jahren ein modernes Zentrum für die Wissenschaft.

Zur Webseite des Campus-Projektes.

Zur Website der FH Bielefeld.

 
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