Neues FH-Gebäude ist Hingucker auf dem Campus Bielefeld

„Gibt es gar nicht“ – das ist die Verknüpfung, die viele Ortsfremde aufgrund einer nicht ganz ernst gemeinten, aber weit verbreiteten Verschwörungstheorie zu Bielefeld haben. Erst einmal in der 330.000-Einwohner-Stadt angekommen, staunen die meisten nicht schlecht, was die ostwestfälische „Metropole“ alles zu bieten hat. Spätestens nach einem Besuch auf dem Campus Bielefeld heißt es dann eher: „Das gibt’s doch gar nicht!“.

Der Campus Bielefeld

Einer der Hingucker auf dem Campus ist der Neubau für die Fachhochschule Bielefeld. Daneben gehört zum Campus-Projekt auch die schrittweise Sanierung des Hauptgebäudes der benachbarten Universität. Bereits fertiggestellt sind der Forschungsbau „Cognitive Interaction Technology“ und das Gebäude X, in dem auch die von FH und Uni gemeinsam genutzte Mensa untergebracht ist. Entwickler, Planer, Bauherr und Investor baulicher Maßnahmen auf dem Campus Bielefeld ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) mit seiner Bielefelder Niederlassung. Insgesamt investieren das Land NRW, der BLB NRW und die beteiligten Hochschulen in den kommenden Jahren insgesamt mehr als 1 Milliarde Euro, um hier moderne Gebäude, eine erstklassige Infrastruktur und so optimale Forschungs- und Studienbedingungen am Standort Bielefeld zu schaffen.

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Architektur: Auer Weber - Fotos: Aldo Amoretti

Die fünf Bielefelder Standorte ziehen unter ein Dach

Der Neubau wird das neue, gemeinsame Zuhause für die fünf bisherigen Bielefelder Standorte der Fachhochschule, Wilhelm-Bertelsmann-Straße, Am Stadtholz, Kurt-Schumacher-Straße, Lampingstraße und Universitätshauptgebäude. Daneben gibt es den Campus Minden, den der BLB NRW umfassend saniert und im Juli 2015 übergeben hat. Auch in Gütersloh bietet die Fachhochschule zwei praxisintegrierte Bachelor-Studiengänge an. Ein Großteil der rund 9.700 Studierenden (Stand 2014) der Fachhochschule wird bald in dem Neubau mit rund 81.000 Quadratmetern Mietfläche lernen und forschen.

Aber auch für Externe öffnet sich die Fachhochschule mit ihrem neuen Zuhause. Audimax und Konferenzbereich können beispielsweise – unabhängig vom Lehrbetrieb – auch durch einen Nebeneingang betreten werden und sind somit auch für externe Veranstalter interessant. Im Theaterraum ist Platz für Unterricht und für Kulturveranstaltungen gleichermaßen. Die 200 Meter lange Magistrale eignet sich für Ausstellungen. Und im Schülerlabor können die Pauker bei spannenden Experimenten ihre Leidenschaft für die wichtigen MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) entdecken.

Gebäude überzeugt durch Struktur, Barrierefreiheit und Energieeffizienz

Genügend Raum für Veranstaltungen bieten die 16 Hörsäle, die entlang der 200 Meter langen Magistrale angeordnet sind. In den Obergeschossen sind die Fachbereiche untergebracht, denen hier auch Seminarräume zur Verfügung stehen. Handfeste Praxis können die Studierenden in der Experimentierhalle sammeln, oder sie ziehen sich zur Lektüre in die neue Hochschulbibliothek zurück, die ebenfalls im Gebäude untergebracht ist. Am Ende muss aber auch der fleißigste Studierende einmal Pause machen. Mit zwei Café-Bars, einer Cafeteria mit Außengastronomie sowie der Mensa im nahegelegenen Gebäude X ist auch dafür alles angerichtet.

Das Gebäude überzeugt durch eine ansprechende, offene Gestaltung, großzügige Räumlichkeiten, eine klare Struktur und durch die moderne und funktionale Ausstattung. Besonderen Wert wurde in der Architektur auf die natürliche Belichtung der Hörsäle und Seminarräume gelegt. Der Gebäudesockel wird durch unterschiedlich große Innenhöfe gegliedert und belichtet. Alle Gebäudebereiche sind barrierefrei zugänglich. Auch in Sachen Energieeffizienz ist die FH nun ganz vorne. Der BLB NRW hat unter dem Gebäude eine der größten Geothermieanlagen Deutschlands installiert. Insgesamt 406 der 800 Pfähle im Baugrund wurden als sogenannte „Wärmetauscher“ ausgeführt. Die Wärmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom bis zu 4,5 Kilowattstunden Wärme.

 

 

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Moderne und zweckmäßige Ausstattung - hier am Beispiel eines Labors - bieten ein optimales Studien- und Lernumfeld. | Architektur: Auer Weber - Fotos: Aldo Amoretti
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Im Entree des Neubaus befindet sich neben der Cafeteria auch ein Info-Point. Die 200m lange Magistrale ist die Haupterschließung der Fachhochschule. | Architektur: Auer Weber - Fotos: Aldo Amoretti
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Viel Raum für studentisches Arbeiten wurde in den öffentlichen Bereichen des Neubaus geschaffen. | Architektur: Auer Weber - Fotos: Aldo Amoretti

Fachhochschule wurde im Sommer 2015 übergeben – Studienbeginn zum Wintersemester 2015/16

Im März 2009 kürte ein Preisgericht den Entwurf, der als Sieger aus dem Mitte 2008 vom BLB NRW ausgerufenen Realisierungswettbewerb hervorging. Danach starteten unter großem Zeitdruck die konkreten Planungen und parallel dazu die Ausschreibungen der Gewerke, bevor im November 2010 mit den Bauarbeiten begonnen wurde. Das Gebäude wurde im Sommer 2015 übergeben, Mittle Juli begannen die ersten Umzüge der Fachhochschule. Der Studienbetrieb wurde zum Wintersemester 2015/2016 aufgenommen.

Die ursprünglichen Pläne, das Gebäude schon zum Wintersemester 13/14 fertigzustellen, ließen sich nicht verwirklichen. Grund dafür ist eine ganze Reihe von Problemen, die sich im Rahmen der Bauphase ergeben haben und die teilweise auf den großen Zeitdruck zurückzuführen sind, der zur Folge hatte, dass die Ausschreibungen bei unzureichenden Planungsfortschritten begonnen wurden. Schon der Baugrund erwies sich als anspruchsvoller als durch die Vorgutachten ermittelt und sorgte für erste Schwierigkeiten und Verzögerungen bei den Tiefbauarbeiten. Eines der Hauptprobleme bestand zudem darin, dass eine beauftragte Firma im Innenausbau in Qualität und Zeitumfang deutlich hinter den vertraglichen Vereinbarungen zurückblieb. Dadurch kam es 2013 zu einer dominokettenähnlichen Reaktion, die den Zeitplan völlig durcheinander brachte, sodass es auf der Baustelle zum Stillstand kam.

Die schnellstmögliche Fertigstellung hatte Priorität

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Architektur: Auer Weber - Fotos: Aldo Amoretti

Zu diesem Zeitpunkt war zu überlegen, den Bau zu stoppen und alle rechtlichen und bautechnischen Fragen vorab zu klären. Die Folge wären ein entsprechender Zeitverzug, eine gesteigerte Unsicherheit und eine Kostensteigerung durch den Zeitverzug sowie damit einhergehende Streitigkeiten gewesen.

Das Land NRW, die Hochschule und BLB NRW haben sich nach Abwägung der Vor- und Nachteile für ein anderes Vorgehen entschieden: Sie setzten die Priorität klar auf eine zeitnahe Fertigstellung des Gebäudes, um der Fachhochschule das langerwartete Gebäude übergeben zu können. Der BLB NRW stellte eventuelle rechtliche Ansprüche hintan, sorgte für eine Neuaufstellung der Gewerke, leitete Beschleunigungsmaßnahmen ein und musste mit den ausführenden Firmen und Ingenieurbüros teilweise in neue, zähe Verhandlungen über die Leistungserbringung treten. Im 2. Quartal 2014 zeigten sich endlich Erfolge und die Baustelle konnte wieder so richtig Fahrt aufnehmen. Auch dieses Vorgehen barg weiterhin Risiken sowie zusätzliche Kosten durch Beschleunigungsmaßnahmen.

Alles viel zu teuer – oder doch nicht?

Wegen der Kosten beim Neubau der FH Bielefeld stand der BLB NRW wiederholt in der Kritik. In der Tat werden die Kosten, wenn das Projekt endabgerechnet ist, deutlich höher ausfallen als 161 Millionen Euro, wie für dieses Projekt im Rahmen des Hochschulmodernisierungsprogramms (HMOP) des Landes NRW ursprünglich veranschlagt wurde.

Doch wieso wurde das Projekt mit dieser Summe begonnen? Die vermeintlichen Kosten für dieses Bauvorhaben wurden damals – ebenso wie für andere HMOP-Projekte – nach Maßgaben der Bauministerkonferenz ermittelt. Hierbei handelte es sich allerdings um grobe Schätzungen. Da vorgesehen war, den Mehrbedarf der Hochschulen durch die doppelten Abiturjahrgänge 2013/14 zu decken, musste teilweise mit großer Eile und auf unzureichender Grundlage geplant werden. Aus heutiger Sicht hat sich also die erste Summe vor Abschluss der Planungen von 161 Mio. Euro als deutlich zu niedrig erwiesen und der BLB NRW hätte das Projekt so nicht beginnen dürfen.

Das gilt insbesondere, da der BLB NRW bereits frühzeitig Zweifel an der Höhe der Kosten angemeldet hatte. Eine intensivere Planung im Vorfeld hätte diesen Zweifeln recht gegeben und von Anfang an zu einer realistischeren Summe geführt. Unter dem Stichwort „Neuausrichtung“ haben das Finanzministerium NRW und der BLB NRW in den vergangenen Jahren gezielt Strukturen und Abläufe des BLB NRW dahingehend angepasst, dass Bauvorhaben auf einer so unsicheren Planungsgrundlage zukünftig nicht mehr begonnen werden.

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Architektur: Auer Weber - Fotos: Aldo Amoretti

Zeit ist Geld – Kostenentwicklung des Projekts

Der Hauptgrund für die Kostenentwicklung ist der Umstand, dass die ursprüngliche Kostenplanung deutlich zu niedrig war. Nichtsdestotrotz ist es natürlich auch durch die weiter oben geschilderten großen Probleme auf der Baustelle zu entsprechenden Teuerungen gekommen. Durch notwendige Um- und Neuplanungen für eine den nutzerwünschen entsprechende Ersteinrichtung des Gebäudes, durch den oben geschilderten Stillstand auf der Baustelle wegen einer Firma aus dem Innenausbau und aufgrund zahlreicher weiterer Aspekte ist es zu einer verlängerten Bauzeit gekommen, die nicht zuletzt wegen der höheren Bauzeitzinsen zwangsläufig zu Kostensteigerungen führt.

Der Faktor Zeit war aber auch in anderer, indirekter Hinsicht ein Kostentreiber. Denn aufgrund der engen Zeitvorgaben sah sich der BLB NRW gezwungen, die Ausschreibungen der Arbeiten schon parallel zur Planung vorzunehmen, was stets mit Unsicherheiten und möglichen Nachträgen durch die beauftragten Firmen verbunden ist. Auch die Beschleunigungsmaßnahmen, die der BLB NRW ergriffen hat, um entstandene Verzögerungen teilweise wieder aufzufangen, haben Mehrkosten verursacht.

Nachdem zwischenzeitlichen Baustillstand hat der BLB NRW eventuelle rechtliche Ansprüche hintangestellt und sich massiv um eine Beschleunigung des Baufortschritts bemüht, um zu verhindern, dass aufgrund eines noch längeren Stillstandes, alle Restarbeiten mit unkalkulierbaren Kosten- und Zeitauswirkungen neu ausgeschrieben und neu vergeben werden müssen. Diese Beschleunigungen führten zu Nachträgen und zu einer Anpassung des Risikobudgets. Zudem hat es einen deutlich höheren Materialverbrauch gegeben als geplant. Das liegt neben der unzureichenden Planung und Massenermittlung im Vorfeld auch daran, dass mangelhafte Bauleistungen rückgebaut und neu begonnen werden mussten.

Wer kommt für die Kosten auf?

Derzeit belaufen sich die genehmigten Gesamtprojektkosten auf rund 280 Millionen Euro. Diese Gesamtsumme berücksichtigt auch die Bauzeitzinsen und ein Budget für verbleibende Risiken. Sie wurde der Niederlassung Bielefeld des BLB NRW im September 2015 in einem vierten Nachtrag genehmigt, ist aber keine endgültige Kostenaussage. Die Schlussrechnung des Projekts dauert derzeit noch an und wird aufgrund anstehender Restarbeiten und juristischer Klärungen auch noch eine Weile in Anspruch nehmen.

Schon vor einiger Zeit hatte der BLB NRW eine außerplanmäßige Abschreibung für das Projekt vorgenommen. Das bedeutet, dass der BLB NRW das Projekt in seinem Jahresabschluss nicht mehr mit den Herstellungskosten bilanziert, sondern mit dem zu erwartenden, niedrigeren Ertragswert. Dies ist der Betrag, der ihm durch die Mietzahlungen der Hochschule über den prognostizierten Nutzungszeitraum refinanziert wird. Die Mehrkosten trägt der BLB NRW, der Landeshaushalt wird nicht belastet.

Neue FH zwischen Interaktion, Inspiration und dem Pfad der Erkenntnis

Dass ihre Studierenden auf dem Pfad der Erkenntnis wandeln, ist wohl die Hoffnung aller Hochschulen. Die FH Bielefeld kann sich dessen aber bewusst sein, denn „Pfad der Erkenntnis“ ist hier der offizielle Name eines Fußweges auf der Gebäuderückseite. Wer den Neubau umrundet, der gelangt anschließend über „Assoziation“ und „Interaktion“ (offizielle FH-Adresse) schlussendlich zur „Inspiration“. Und dass am Mittag der Magen knurrt und die Studierenden zur Mensa gehen, ist nur natürlich. Passenderweise ist der Weg dorthin auch der „Lauf der Dinge“. Mehr zum Namenskonzept auf dem Campus Bielefeld, zum gesamten Campus-Projekt und zur Fachhochschule finden Sie auf der Internetseite http://www.campus-bielefeld.de.

Projektbeteiligte

BLB NRW

Assetmanagement:

Abteilungsleitung: Matthias Cramer

Projektentwicklung: Andreas Krumme

 

Planen und Bauen 3:

Abteilungsleitung: Catrin Hedwig

Projektverantwortung: Jürgen Delkeskamp

Stellvertretende Projektverantwortung: Hans-Ulrich Keese

Stellvertretende Projektverantwortung: Daniel Richter

Projektteammitglieder: Andreas Dewert, Jochen Goldbeck, Thomas Heßler, Anette

Rückert, Ulrich Thebille, Heinrich Unterkötter

 

Service Center Bauaufsichtliche Angelegenheiten: Falk Blümel

 

Beteiligte Büros

Projektsteuerung: Ernst & Young, Köln

Architekten / Generalplaner: Auer Weber, München

Objektüberwachung: Wenzel+Wenzel, München

Unterstützung Projektleitung Auer Weber: Bauplanung Stoessel GmbH, München

Landschaftsarchitekt: Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten, München

Tragwerksplanung: Pfefferkorn Ingenieure, Stuttgart

Technische Gebäudeausrüstung: WSP Deutschland AG, München

Beratung und Controlling TGA: Drees & Sommer, München

Brandschutzplanung: HHP West, Bielefeld

Fassadentechnik: PBI Entwicklung innovativer Fassaden GmbH

Thermische Bauphysik, Schallschutz, Raumakustik: Gutbrod Bau Physik, Markgröningen

Lichtplanung: Bartenbach LichtLabor GmbH, Aldraus/Innsbruck (A)

Küchenplanung: Reisner & Frank GmbH, Karlsruhe

Laborplanung: Dr. Heinekamp, Karlsfeld bei München

Aufzugsplanung: Theisinger Ingenieure GmbH, Zusmarshausen

Verkehrsplanung: Lang+Burkhardt, München / PSLV, München

Farbkonzept Fassade / Magistrale: Auer Weber mit Josef Schwaiger, Wien (A)

Orientierungs - und Leitsystem: Auer Weber mit Antonio Pedrazzini, München


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FH-Neubau auf einen Blick

Mietfläche: 81.059 m²

5 Obergeschosse (teilweise in Split-Level-Bauweise) sowie eine Tiefgarage mit rund 1000 Stellplätzen

Baubeginn: November 2010

Übergabe an FH: Sommer 2015

Weitere Informationen

Das neue FH-Gebäude ist Teil des "Campus Bielefeld"-Projekts.

Durch umfangreiche bauliche Maßnahmen für Fachhochschule und Universität Bielefeld entsteht hier seit einigen Jahren ein modernes Zentrum für die Wissenschaft.

Zur Webseite des Campus-Projektes.

Zur Website der FH Bielefeld.

 
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Der BLB NRW hat nur noch eine landesweite einheitliche Rechnungsanschrift
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW
47526 Kleve.
Der Betrieb führt die elektronische Rechnungsbearbeitung ein. mehr ...