Sanierung und Neubau am Unteren Schloss

„Das Bauprojekt Unteres Schloss war ein schwieriger Spagat zwischen dem Denkmalschutz einerseits und den Anforderungen eines modernen Universitätsbetriebes andererseits. Diesen Spagat haben wir gut gemeistert und ein neues Kapitel in der Geschichte des Unteren Schlosses aufgeschlagen“, erläutert Gabriele Willems, Geschäftsführerin des BLB NRW, den Gästen auf der Eröffnungsfeier des neuen Campus Unteres Schloss am 23. Januar 2017.

Der BLB NRW richtet das Untere Schloss in Siegen für die neue Nutzung durch die örtliche Universität her. Foto: Jörg Fallmeier

Das BLB-Projektteam der Niederlassung Dortmund hat nach knapp zweijähriger Bauzeit mit Gesamtinvestitionskosten von 19,5 Millionen Euro 6246 m² Mietfläche für die Universität umgebaut und saniert. Um nur eine der weiteren beeindruckenden Zahlen zu nennen -  dabei wurden 630.000 Natur-Schieferplatten auf 5900 m² Schieferdächern verlegt.
Seit dem Sommersemester 2016 ist das Untere Schloss die neue Heimat der Fakultät III der Universität Siegen. Auf diesem Campus lernen, arbeiten und forschen rund 3.500 „Schloss-Studierende“ und 200 Uni-Beschäftigte.
Besondere Aufmerksamkeit bei der Planung durch das Projektteam des BLB galt der Bibliothek mit rund 100.000 Medien der Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik und des Wirtschaftsrechts.

Über 500 Jahre lange Geschichte

Mit Paukern und Professoren hatte es das Untere Schloss in seiner langen Geschichte schon einmal zu tun. Ab 1534 wurde während der Reformation vorübergehend die Hohe Schule Herborn hier untergebracht. Nach 1623 wurde die Anlage zur Residenz der protestantischen Linie des Hauses Siegen-Nassau und in den nächsten 200 Jahren peu à peu weiter ausgebaut. Bereits seit 1742 diente das Schloss als Behördengebäude, zum Beispiel für das Amts- und Landgericht (1864-1976) oder danach als Landesbehördenhaus, in dem bis vor einigen Jahren auch der BLB NRW seine Zelte aufschlug. „Das hier ist unser ehemaliger Besprechungsraum“, erinnert sich Objektmanager Hans-Walter Simon beim Rundgang 2016 während der Bauphase durch den Kurländer Flügel und zeigt dabei auf eine geöffnete Tür zu seiner Linken. Wer hingegen den gegenüberliegenden Wittgensteiner Flügel des Schlosses noch aus alten Tagen kennt, verbindet damit in der Regel weniger angenehme Erfahrungen. Seit den 1930ern diente der Gebäudeflügel mitsamt einem Anbau als Gefängnis, bis 2010 gehörte er als Außenstelle zur JVA Attendorn.

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Zwischen Denkmalschutz und Highspeed-Internet

Ein Richterpult und zwei Bänke für die Prozessparteien standen inmitten des Raumes. Eingehüllt in Plastikfolie harrten sie der weiteren Sanierungsschritte. Den Richter spielen wird hier in Zukunft zwar niemand mehr, aber das Mobiliar bleibt als Zeugnis für die frühere Nutzung des Unteren Schlosses als Gericht erhalten. Das Schloss-Areal mitten in der Siegener Altstadt ist sowohl Gebäude- als auch Bodendenkmal. Vom rundum erneuerten Schieferdach über die Fassade bis – in wenigen Einzelfällen – hin zum Gerichtsmobiliar und der goldenen Wanduhr sieht in dem Universitätsgebäude daher auch heute noch so einiges aus wie anno dazumal. „Am Ende mussten wir hier den Anforderungen des Denkmalschutzes gerecht werden, aber die Studenten und Mitarbeiter müssen trotzdem mit Highspeed surfen können“, beschreibt Projektverantwortliche Petra Junfermann den Ausgleich zwischen Denkmalschutz-anforderungen und Nutzerbedürfnissen.

Wittgensteiner Flügel: vom Gefängnis zur Bücherei

Gegenüber im Wittgensteiner Flügel kam es im April 2015 zu einem Zwischenfall. Ein Brandstifter hatte ein Feuer gelegt. Eigentlich kein Problem für die Siegener Feuerwehr, doch die musste zunächst einmal zum Brandherd vordringen. Denn wie in Gefängnissen üblich war das Gebäude nicht nur ausbruch-, sondern eben auch einbruchsicher. „Es war schon ein mulmiges Gefühl, diese verkohlten Räume zu sehen und besonders zu riechen“, erinnert sich Junfermann. „Aus dem Zeitplan haben wir uns dadurch aber nicht bringen lassen“, ergänzt Simon. Alle Baubeteiligten haben sich sofort auf die neue Situation eingestellt und sind zunächst einmal die übrigen Arbeiten angegangen. Parallel wurde schnell ein Konzept zur Beseitigung der Brandschäden erarbeitet und mit der sowieso anstehenden Schimmelsanierung im Wittgensteiner Flügel verknüpft. Brandschaden und Schimmelbefall – das sind nur zwei Gründe dafür, dass der ehemalige Gefängnisflügel eine besondere Herausforderung für die Bauverantwortlichen war. Kein Wunder: Der Weg vom Gefängnis zur wissenschaftlichen Bibliothek ist weit. Der JVA-Anbau aus den 1930er Jahren wurde abgerissen und durch einen etwas kleineren, neuen Bibliotheksanbau ersetzt, der mit seinem öffentlich zugänglichen Foyer bewusst mit der bisherigen Schloss-und-Riegel-Atmosphäre des Ortes bricht. Doch auch innerhalb des alten Gebäudeflügels hat sich manches getan. Zahlreiche Zwischenwände wurden entfernt und so die von den Gefängniszellen geprägte Struktur des Gebäudes aufgebrochen. Auch statische Ertüchtigungen waren notwendig. Zudem musste im Zuge der Arbeiten die Sohle geöffnet werden – mit einem positiven Nebeneffekt: Das Bodendenkmal Unteres Schloss konnte nun auch archäologisch einmal auf Herz und Nieren geprüft werden. Dadurch konnte hier unter anderem eine jüdische Siedlung aus dem 5. Jahrhundert verortet werden.


Drei Fragen an Dipl.-Ing. Christian Steinmeier

Denkmalpfleger beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)

Was war für Sie als Denkmalschützer der spannendste Aspekt bei der Baumaßnahme?

In die Geschichte eines Ortes einzutauchen gehört zu den faszinierendsten Aspekten unseres Berufs. Das war auch am Unteren Schloss so: Das Schloss ist nicht etwa „in einem Guss“ entstanden, sondern in vielen Abschnitten. Besonders spannend war es, die Zeitschichten aus dem 20. Jahrhundert zu betrachten. Aber auch die von unseren Kollegen der LWL-Archäologie begleiteten archäologischen Untersuchungen im rückwärtigen Bereich des Wittgensteiner Flügels waren hochinteressant.

Im Zuge der Umbauarbeiten wurde der Denkmalwert des Wittgensteiner Flügels neu bewertet. Was ist dabei herausgekommen?

Durch die Untersuchung sollte festgestellt werden, welche Bedeutung die für die Gefängnisnutzung vorgenommenen baulichen Veränderungen für den Denkmalwert des Schlosses haben. Einige Fragen zur nationalsozialistischen Nutzungsgeschichte konnten hierbei leider nicht beantwortet werden. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die 1931 neu angebauten Gefängnisflügel zwar Teil der denkmalwerten Substanz des Unteren Schlosses sind, der Denkmalwert der Gesamtanlage aber auch im Fall eines Abbruchs erhalten bliebe. Vorausgesetzt, dass die Bereiche des Gefängnisses, die im aus vielen Gründen unverzichtbaren barocken Wittgensteiner Flügel liegen, in den konservatorischen Umgang einbezogen werden.

Wie zufrieden sind sie mit dem Ergebnis der Sanierungs- und Anbaumaßnahme?

Es war eine große Herausforderung, alle wichtigen Zeitschichten des Schlosses zu bewahren und dennoch eine neue Nutzung zu ermöglichen. So nimmt man beispielsweise im Wittgensteiner Flügel neben barocker Substanz noch immer Spuren der ehemaligen Gefängnisnutzung wahr. Ich denke, dass dieser Spagat in weiten Teilen gelungen ist und sich das Endprodukt sehen lassen kann!

Zu den Seiten der Universität:

Universität Siegen: www.uni-siegen.de

Fakultät Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsrecht: http://www.wiwi.uni-siegen.de/dekanat/

Unteres Schloss

Im 16. Jahrhundert beherbergte das Untere Schloss vorübergehend die Hohe Schule Herborn. Seitdem blickt das Gebäude auf eine wechselhafte Nutzungsgeschichte zurück. Im Jahr 2016 wurde das Schloss nun wieder Bildungsstandort. Neue Nutzerin ist die Fakultät III (Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsrecht) der Universität Siegen.

Zahlen und Fakten

• Kosten: 19,5 Mio. Euro 
• Maßnahme ist Teil des
  Hochschulmodernisierungs-
  programms
• 6246 m² Mietfläche
• 5900 m² Schieferdach
• über 630.000 Schieferplatten
• Bauzeit: Von Juli 2014 bis Frühjahr 2016
• 23. Januar 2017, Eröffnungsfeier im Beisein von Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW

Fotostrecke Unteres Schloss Siegen

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