Neubau der Instandsetzungshalle C22 auf dem Fliegerhorst Nörvenich

Im Fliegerhorst Nörvenich gibt es immer etwas zu tun. Ein wichtiger Grund dafür ist das Waffensystem Eurofighter, das die Bundeswehr 2006 eingeführt hat. Drei Jahre später zog der neue „Adler“ auch in den Fliegerhorst südwestlich von Köln. Seither hat die zuständige BLB-Niederlassung Aachen die Infrastruktur des Flugplatzes immer besser an den Eurofighter angepasst. Zuletzt wurde 2015 die Instandsetzungshalle C22 übergeben. Die Farbe Oliv sucht man hier vergebens.

„Taktisches Luftwaffengeschwader 31 ‚Boelcke‘ heißen wir hier“, erklärt BLB NRW-Bundesbauer Heinz Willi Geuenich – und muss grinsen. „Jetzt sag ich schon wir.“ Gemeint ist natürlich der Kunde, für den seine Abteilung exklusiv arbeitet. Geuenich selbst ist seit 20 Jahren dabei. Dass dabei trotz der professionell klar definierten Rollenverteilung eine gewisse Nähe aufkommt, verwundert wenig. Schließlich hat die Bundesbauabteilung 2 der BLB-Niederlassungg Aachen ihr Büro vor Ort in der Kaserne Haus Hardt. Schwerpunkt der Bautätigkeit ist der wenige hundert Meter entfernte Fliegerhorst Nörvenich. Der versteckt sich hinter einer Reihe von Bäumen in der flachen Landschaft – eigentlich unglaublich angesichts der drei Kilometer langen Start- und Landebahn, die das Zentrum des Flugplatzes bildet. Ob Flugsimulator, Abstellhallen, Lärmschutzhallen, in denen die Triebwerke geprüft werden, oder eben die Instandsetzungshalle C22 – eine Menge hat der BLB NRW in den vergangenen Jahren neu gebaut oder verändert, damit der Flugplatz den Maßen und Erfordernissen des Eurofighters gerecht wird. Und die Arbeiten dauern noch an. Nicht umsonst spricht man bei der Bundeswehr nicht von einfachen Flugzeugen, sondern von Waffensystemen. Sein Projekt, die Instandsetzungshalle C22, sieht Heinz Willi Geuenich als Teil eines großen Puzzles: „So ein Flugplatz kann nur funktionieren, wenn die ganze Abteilung mitarbeitet, die Projekte rund laufen und auch die Bauunterhaltung funktioniert. Ist die Straße nicht befahrbar, kann ich auch nicht bauen. Im Prinzip betreuen wir hier eine kleine Stadt.“

Bild 1: In der Instandsetzungshalle C22, die der BLB NRW auf dem Fliegerhorst Nörvenich gebaut hat, können bis zu sechs Eurofighter gleichzeitig gewartet werden. Foto: Bernd Klass

Eine Instandsetzungshalle als Farbklecks und Hingucker

In der Instandsetzungshalle werden die meisten Bauteile der Eurofighter gewartet, geprüft und wenn nötig repariert. An den verschiedenen Dockplätzen in der Halle kann die Truppe an sechs Maschinen gleichzeitig schrauben. Im Boden eingelassene Leuchten zeichnen die Tragflächen des Eurofighters nach, sodass die Mechaniker auch an der Unterseite der Maschinen gute Sicht haben. Müssen schwere Bauteile der Flugzeuge abmontiert werden, hilft eine bewegliche Krananlage, die unter dem Hallendach entlangfährt. Die Montagehalle des Gebäudes C22 wird von einem u-förmigen, weiteren Gebäudebereich eingefasst, in dem sich im Erdgeschoss Werkstätten und darüber unter anderem Büros, Arbeits- und Aufenthaltsräume befinden. Die Halle C22 ist ein echter Hingucker und Farbklecks in der Landschaft des Nörvenicher Fliegerhorstes. Für eine Instandsetzungshalle durchaus erstaunliche Eigenschaften, die beweisen: Trotz des engen Korsetts an Vorschriften und Spielregeln beim Bauen für die Bundeswehr bleibt genügend Spielraum, um den Soldatinnen und Soldaten ein optisch ansprechendes Arbeitsumfeld mit Wohlfühlcharakter zu schaffen. Auch viele andere Projekte, die der BLB NRW hier in den vergangenen Jahren fertiggestellt hat, tragen bereits eine von dieser Erkenntnis geprägte Handschrift. „Möglichst unscheinbar und oliv, das sind zum Glück schon lange nicht mehr die Vorgaben“, sagt Geuenich. „Der Kalte Krieg ist eben vorbei. An den Baumaßnahmen kann man das gut sehen.“

Auch technische Anforderungen prägen die Gebäudeoptik

Form und Ausrichtung der Gebäude sind so zu gestalten, dass sie einen gewissen Abstrahlwinkel zu den Radarwellen der landenden und startenden Eurofighter einnehmen. Technische Herausforderungen bieten die Baumaßnahmen aber auch im Innern. Bei der C22 beinhaltete das neben vielem anderen verschiedene Trassen für sichere Datennetze oder ein schlüssiges Brandschutzkonzept für die Montagehalle, mit dem im Brandfall nicht nur Menschenleben, sondern möglichst auch die teuren Eurofighter vor den Flammen gerettet werden sollen. Den Schaden gering zu halten, wenn es mal „brannte“, das war auch Teil von Geuenichs Job beim Bau der C22. Vereinzelt machten ihm beauftragte Firmen große Probleme. „Das alles hat uns bestimmt anderthalb Jahre gekostet“, schätzt Geuenich. Ein Ärgernis für alle Beteiligten, inklusive der anderen Baufirmen, die ihre Zeitpläne teilweise mehrfach anpassen mussten. Umso erfreulicher lief dafür die Zusammenarbeit mit der Auftraggeberseite und nicht zuletzt mit dem Kunden vor Ort, zu dem die Nörvenicher BLB-Kolleginnen und -Kollegen ohnehin einen engen Draht pflegen. Beim Rundgang grüßt so mancher Heinz Willi Geuenich, schüttelt Hände, äußert sich zum Gebäude und wechselt eben auch das ein oder andere private Wort. Da merkt man sie wieder, diese zwangsläufige gewisse Nähe.

Die Fassade des C22 kaschiert geschickt die unterschiedliche Geschosshöhe der ebenerdigen Werkstätten und der darüberliegenden Räume ...  Foto: Bernd Klass

»Im Vergleich zu dem, was wir vorher hatten, ist die Halle C22 ein Quantensprung.« - Daniel Richter, Technischer Betriebsführungsmeister auf dem Fliegerhorst Nörvenich.

Haben gemeinsam mit ihrem Kollegen Heinz-Dieter Kolbe das C22 für den BLB NRW Aachen realisiert (v.li.): Projektverantwortlicher Heinz Willi Geuenich, Andrea Danecki, Lothar Collip und Nathalie Stassen. Foto: Claudia Faßbender

Drei Fragen an Daniel Richter

Technischer Betriebsführungsmeister auf dem Fliegerhorst Nörvenich


Herr Richter, Sie sind zuständig für Infrastrukturmaßnahmen auf dem Fliegerhorst und haben die Planung und Realisierung der Instandsetzungshalle C22 betreut. Wie gefällt Ihnen das Gebäude und wie haben Sie die Baumaßnahme erlebt?

Das Gebäude gefällt mir ausgesprochen gut. Im Vergleich zu dem, was wir vorher hatten, ist die Halle C22 ein Quantensprung. Die Zusammenarbeit mit den Projektverantwortlichen vom BLB NRW und auch mit den meisten Firmen fand ich sehr harmonisch und auch lehrreich. Einen faden Beigeschmack hat der Bau natürlich dadurch erhalten, dass er deutlich später fertig geworden ist als geplant. Das ist für unsere Kameraden als Nutzer nicht immer einfach zu verstehen. Aber neben den Problemen, die wir zum Beispiel durch die Firmeninsolvenz hatten, braucht auch das Administrative einfach immer seine Zeit, etwa die Prüfungen und Teilabnahmen, die während der Bauphase anstehen.


Wer durch diesen Fliegerhorst läuft, der stellt fest, dass viele der neueren Gebäude gar nicht mehr die typische olivgrüne Bundeswehroptik haben. Ist das heute aus Sicherheitsgründen nicht mehr notwendig?
Nein, das liegt einfach daran, dass es heute keine dementsprechenden Vorgaben mehr gibt, die Gebäude der Bundeswehr in diesem einheitlichen Stil zu gestalten. Die Sicherheitsvorkehrungen in unseren neuen Gebäuden sind aber in den letzten Jahren nicht weniger, sondern eher mehr geworden. Ich denke da zum Beispiel an die Härtung der Außenwände oder auch die IT-technische Absicherung innerhalb der Gebäude.


Wo wir gerade von einer Instandsetzungshalle für Eurofighter sprechen. Wie oft durften Sie eigentlich schon mitfliegen?
(lacht) Das habe ich weder im Flugsimulator noch in der Realität bisher gemacht. Ich bleibe lieber mit beiden Beinen auf dem Boden.

Weitere Informationen:

Taktisches Luftwaffengeschwader 31 "Boelcke"

Der Eurofighter - auf den Seiten der Luftwaffe

Instandsetzungshalle-C22-Nörvenich

145 Meter ist sie lang, 45 Meter breit, dazu 15 Meter hoch. In der großzügigen Instandsetzungshalle C22 können bis zu sechs Eurofighter gleichzeitig gewartet, geprüft und repariert werden. Genutzt wird die Instandsetzungshalle vom Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“, das in Nörvenich seinen Hauptstandort hat.

Zahlen und Fakten

  • Baubeginn: 2011
  • Übergabe: 2015
  • Maße: 145 m lang, 45 m breit, 15 m hoch
  • Genehmigte Kosten: 25,6 Mio. Euro
  • Nutzfläche: 6600 m²

Fotostrecke Bauen für die Briten

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