Ubierring 40 der Technischen Hochschule Köln

Ob alte Stadtmauer oder Rhein, gemütliche Cafés oder belebte Kneipen – am Ubierring 40 ist alles ganz nah. Genau das richtige Umfeld für kreatives Arbeiten. Nicht zufällig steht auch die Geschichte des Gebäudes am Ubierring 40 im Zeichen der Kreativität und Kunstfertigkeit. Denn das Gebäude war Heimat der berühmten Kölner Werkschulen, die Anfang der 70er Jahre als Fachbereich Kunst und Design in die neu gegründete Fachhochschule eingegliedert wurden (heute TH Köln). In den 90ern wurde der Studienbereich Freie Kunst zwar aufgelöst, Kreativität und Kunstfertigkeit sind am Ubierring 40 aber immer noch zu Hause. Heute sitzen hier zwei kulturwissenschaftliche Institute der TH: Das Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft und die Köln International School of Design (KISD). 

Bewahrt den Busentempel! – Berühmte Kölner Kegelfassade erhält Verjüngungskur

Über 1000 solche Kegel sind das charakteristische Merkmal der Fassade am Ubierring 40, die der BLB NRW nun für den Nutzer des Gebäudes, die Technische Hochschule Köln, grundlegend saniert hat. Foto: Peter Kilian

Fassadensanierung am Gebäude Ubierring 40 der Technischen Hochschule Köln

Die außergewöhnliche Fassade am Ubierring 40 löste bei den Kölnern gewisse Assoziationen aus. Als die BLB-Niederlassung Köln 2011 im Zuge einer Routineüberprüfung Mängel an der Fassade des „Busentempels“ feststellte, griffen die Studierenden ad hoc zu einer Reihe BHs, um zu retten, was zu retten ist. Auf derart behelfsmäßige Sicherungsmaßnahmen mochte sich der BLB NRW nicht verlassen. Von 2013 bis 2015 wurde die künstlerisch wertvolle Gebäudehülle für die TH Köln aufwändig saniert.

Für ihren Humor und ihre Unverblümtheit sind die Kölner weit über ihre Stadtgrenzen hinaus bekannt. Zu Recht, denn wo sonst wird der eigene Nachwuchs schon – wohlgemerkt liebevoll gemeint – als Köttele oder Knubbelefutz bezeichnet? Typisch kölsch also, dass der früher als „Musentempel“ der Kölner Werkschulen dienende Bau am Ubierring 40 mit seiner Kegelfassade kurzerhand in Busentempel umgetauft wurde. Humorvoll reagierte auch BLB-Objektmanager Peter Kilian, als er von der BH-Aktion der Studierenden erfuhr. Kilian bedankte sich artig und erfragte die benötigte Körbchengröße, um weiteres „Sicherungsmaterial“ zur Verfügung stellen zu können. Doch bei allem rheinischen Frohsinn – die Lage war durchaus ernst zu nehmen. Der BLB NRW ließ das Gebäude deshalb rundum mit Netzen sichern. Freien Blick auf die Gebäudefront gab es erst wieder im Herbst 2015, als die aufwändige Sanierungsmaßnahme endgültig abgeschlossen war. Seitdem erstrahlt die Fassade des Kölner Künstlers Ludwig Gies mit ihren 1080 Kegeln wieder in neuem Glanz. Gies, der unter anderem auch den Adler im Bonner Bundestag gestaltet hat, arbeitete als Dozent der Kölner Werkschulen selbst in dem Gebäude. Die Fertigstellung seiner Fassade 1967 erlebte er nicht mehr.

Als die Mängel an der Fassade bekannt wurden, griffen Studierende spontan zu einer Reihe BHs, um die Kegel der Fassade zu „sichern“. Foto: Kilian

Denkmalschutzpläne machen aufwändige Sanierung notwendig

Die Fassade mit den Kegeln ist zwar im wahrsten Sinne „bezeichnend“ für das Gebäude in der Kölner Südstadt, die Erhebungen zieren es allerdings nur straßenseitig. Der BLB NRW hat darüber hinaus auch die Fassaden im Innenhof und an dem seitlich angrenzenden Treppenturm saniert und gleichzeitig mit einer modernen Dämmung versehen. „Dreh- und Angelpunkt der Sanierung war aber natürlich die Straßenfassade“, erinnert sich der Projektverantwortliche Ulrich Witte. Aus insgesamt anderthalbtausend Waschbetonplatten setzt sich diese Fassade zusammen. Und die wären beinahe Geschichte gewesen. Denn eine Sanierung der vorhandenen Platten – das war von Anfang an klar – würde deutlich kostspieliger als eine neue Fassade. Der BLB NRW aber unterliegt dem Wirtschaftlichkeitsgebot und muss für gewöhnlich die effizienteste Variante wählen. Nur: Gewöhnlich ist die Gebäudehülle am Kölner Ubierring keineswegs. Das bestätigte die mittlere Denkmalschutzbehörde der Bezirksregierung Köln, denn sie war dabei, die Fassade unter Schutz zu stellen. Damit war klar: Die Fassade muss erhalten bleiben. Den Kölner Kolleginnen und Kollegen des BLB NRW stand nun die Planung einer hochkomplexen Sanierungsmaßnahme bevor.

Von A wie Anker bis Z wie Zementschlämme

Die Gebäudehülle besteht abwechselnd aus Fensterreihen und Fassadenstreifen, wobei sich die Fassadenteile aus je vier Reihen Waschbetonplatten zusammensetzen. Gehalten werden die Platten durch einen doppelten Mechanismus: Zum einen sind sie durch Anker in der Betonwand fixiert, zum anderen liegt die unterste Plattenreihe auf einem kleinen Vorsprung der Betonwand auf – der sogenannten Konsole. Der Zahn der Zeit hatte hier wie da genagt. Der Beton der Konsolen war großflächig abgebröckelt, der Stahl, der dadurch zum Vorschein kam, war ebenso durchgerostet wie die Anker hinter den Platten.

Sanierten die Fassade des „Busentempels“ für die BLB-Niederlassung Köln (v.li.): Projektverantwortlicher Ulrich Witte, Carmen Altenkirch und Peter Kilian. Foto: Frank Buch

Also ließ der BLB NRW jede einzelne Fassadenplatte an sechs Stellen mit einem speziellen Diamantbohrer durchlöchern und neue Anker setzen. Mit dem Ergebnis der Arbeiten ist Witte sehr zufrieden. „Die Firma hat das prima gemacht, uns ist bei den Bohrungen keine einzige Platte gesprungen.“ Um die Betonkonsolen für ihre Sanierung freizulegen, mussten viele der Waschbetonplatten allerdings zunächst einmal abgenommen werden, bevor sie neu fixiert werden konnten. Als die Platten schließlich wieder fest an Ort und Stelle saßen, ging die Sanierung in die nächste Runde: Die Bohrlöcher wurden mit Mörtel gefüllt, kleinere Beschädigungen ausgeglichen und eine einheitliche Oberflächenstruktur hergestellt. Anschließend wurde eine Zementschlämme aufgetragen, um kleinste Risse zu schließen und die Fassade witterungsbeständig zu machen. „Zum Schluss haben wir die Schlämme mit einer Sandstrahlung größtenteils wieder entfernt, um die alte Oberflächenstruktur der Fassadenplatten wiederherzustellen“, erklärt Witte. Die komplexe Sanierung der Straßenfassade hatte der BLB NRW von Anfang an in zwei Bauabschnitte eingeteilt. „Wir konnten die lärmintensiven Arbeiten ja immer nur in den Semesterferien durchführen, und das war in nur einem solchen Zeitraum für die ganze Straßenfassade einfach nicht zu schaffen“, sagt Peter Kilian. Durch den originalgetreuen Erhalt der Fassade konnten hier – anders als an der Hofseite und am Treppenturm – leider keine energetischen Verbesserungen vorgenommen werden. Dass der „Busentempel“ nun aber wieder in frischem Glanz erstrahlt, freut Studierende, Passanten und auch Nachbarn wie Irma Grümmer, die seit 30 Jahren eine Boutique vis-à-vis betreibt. (Kurzinterview mit Frau Grümmer auf der nächsten Seite).

Text: Tim Irion, Fotos: Thomas Range/gfp Köln, Peter Kilian, Frank Buch, Thomas Ritter/ritter.architekten+planungsbüro GmbH

Zahlen und Fakten

Nur Straßenfassade:

Drei Fragen an Irma Grümmer

Inhaberin der Boutique Grümmer Moden vis-à-vis der sanierten straßenseitigen Fassade

Frau Grümmer, seit 30 Jahren betreiben Sie hier Ihre Boutique und blicken auf die Fassade von Ludwig Gies. Wieso haben Sie sich mit ihrem Geschäft für diesen Standort entschieden?

Ich wohne hier schon sehr lange, deshalb ist mir das Viertel vertraut. Es gibt eine gute Nachbarschaft und ich fühle mich hier wohl. Dazu hat mir auch das Gebäude selbst sehr gut gefallen. Ich habe mich bei der Stadt lange darum bemüht, mein Geschäft hier eröffnen zu können.

Was verbinden Sie mit dem gegenüberliegenden Hochschulgebäude, auf das Sie nun schon so lange blicken?

Früher waren dort die Kölner Werkschulen. Ludwig Gies hat ja damals dort unterrichtet. Aber auch der (Jürgen Hans) Grümmer – mein damaliger Mann – war seinerzeit dort Meisterschüler. Die Plastiken hier in meinem Laden sind von ihm. Und er hat z.B. den Offenbachplatz an der Oper und den dazugehörigen Opernbrunnen gestaltet, der jetzt gerade saniert wird.

Und was verbinden Sie mit der Fassade?

Na, die gefällt mir persönlich sehr gut und ich bin froh, dass sie erhalten wurde. Es gibt eine Geschichte über die Entstehung der Fassade. Man sagt, der Gies – ein passionierter Zigarrenraucher – habe eines Tages gedankenverloren mit seiner Zigarre in Sand oder etwas ähnlichem herumgedrückt. Dabei seien dann Formen entstanden, die ihn auf die Idee zur Kegelfassade brachten. Über den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte kann ich Ihnen allerdings nichts sagen.

Zu den Seiten der Hochschule:

Technische Hochschule Köln

Köln International School of Design (KISD)

Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS)

Social Network
Fotostrecke Ubierring 40 der Technischen Hochschule Köln

Klicken Sie hier für weitere Fotos.

 
Metanavigation
Kontakt
Impressum
Service Management Center

Für unsere Kunden sind wir bei Störungen und Notfällen an den Gebäuden und technischen Anlagen immer erreichbar, rund um die Uhr, an sieben Tagen in der Woche! Sie erreichen uns unter 08000 252 679!

Zentrale Rechnungsanschrift

Der BLB NRW hat nur noch eine landesweite einheitliche Rechnungsanschrift
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW
47526 Kleve.
Der Betrieb führt die elektronische Rechnungsbearbeitung ein. mehr ...