Bauen für britischen Streitkräfte - Kasernentour in Paderborn und Gütersloh

Von Küchenmodernisierung über Kanalsanierung bis hin zum Trainingszentrumneubau – der BLB NRW trägt dazu bei, dass sich britische Streitkräfte in Paderborn und Gütersloh wohlfühlen. Und das bis 2020, denn bis dahin kehren die British Forces Germany sukzessive in ihre Heimat zurück und beenden damit eine Ära. Seit der Befreiung Deutschlands von der Nazi-Herrschaft prägen die Soldaten aus dem Vereinigten Königreich beide Städte und das Leben der Einheimischen. Aus Besatzung wurde Partnerschaft. Zeit für eine Leistungsbilanz.

Mister Charles Hill steht auf dem Flugfeld der Princess Royal Barracks in Gütersloh. Als vor einigen Jahren letztmalig ein Senkrechtstarter vom Typ Harrier hier abgehoben ist, war Hill selber noch Soldat. Nun ist er Zivilangestellter der British Forces Germany und trägt als „Drawdown Assistant“ dazu bei, dass die Heimkehr der Streitkräfte ins Königreich reibungslos vonstattengeht. „Rheine, Osnabrück, Münster, Mönchengladbach, Herford“ – Hill zählt die Standorte auf, die schon „besenrein übergeben“ wurden. Nun ist Gütersloh an der Reihe. Nur bis Herbst 2016 saß dort eine Logistik-Einheit. Die Konzentration auf immer weniger Standorte hält weiter an. Voraussichtlich 2020 wird der letzte britische Soldat Ostwestfalen verlassen. „Das passt. Ungefähr dann gehe ich ohnehin in den Ruhestand“, sagt Lothar Reckendrees von der Abteilung Bundesbau 2 (Briten) der BLB-Niederlassung Bielefeld. Seit 1985 arbeitet er als Mitarbeiter des Landes schon daran, den Gast-Streitkräften passende Gebäude und gute Infrastruktur bereitzustellen.

Neue Unterkünfte für die Briten baute der BLB NRW unter anderem in den Athlone Barracks in Paderborn. Foto: Thomas Range/gfp Köln

Heute freut er sich über das Wiedersehen mit seinen ehemaligen Kollegen Gerd Peter und Dietmar Lütgert. Die sind eigentlich schon im Ruhestand, nehmen sich aber gerne Zeit für eine Kasernen-Tour, um zu zeigen, was die NRW-Bauverwaltung im Auftrag der Briten im Laufe der Jahrzehnte so alles geschaffen hat. „Wir haben alles gemacht, von der Küchenmodernisierung in Familienunterkünften über den Umbau von britischen Schulen und Kanalsanierungen in Kasernen bis hin zum Neubau eines kompletten Gefechtstrainingszentrums – Projekte für 3000 Euro, aber auch eines im Wert von 30 Millionen Euro“, erzählt Gerd Peter, der bis 2010 beim BLB NRW als Abteilungsleiter für die Briten zuständig war. Das bereits erwähnte Gefechtstrainingszentrum war eines seiner Highlights. Combined Arms Tactical Trainer (kurz CATT) heißt es auf Englisch. In der riesigen Halle in den Normandy Barracks in Paderborn-Sennelager stehen etwa 100 Container. Und jeder von ihnen ist vollgestopft mit Hightech-Simulatoren. Panzer vom Typ Warrior oder Challenger, Hubschrauber, Truppentransporter – hier wird unter realistischen Bedingungen der Ernstfall geprobt, der hoffentlich niemals eintritt. „Es geht uns vor allem um die taktische Durchführung des Gefechts“, erzählt Soldat Alex Smith. Die Halle hat der BLB NRW errichtet, und zwar für die besagten 30 Millionen Euro. Ein bescheidener Betrag im Vergleich zu der halben Milliarde, die die hier installierten Simulatoren gekostet haben. Ganz in der Nähe steht das erst 2009 eingeweihte neue Militärgerichtsgebäude der britischen Streitkräfte. Es beherbergt seither die einzige Einrichtung dieser Art außerhalb von Großbritannien. Zwei Jahre lang hat der BLB NRW daran gebaut und am Ende knapp fünf Millionen Euro ausgegeben, deutlich weniger als ursprünglich veranschlagt. Herzstück des Court House sind zwei jeweils 175 Quadratmeter große Gerichtssäle. „Waterloo“ heißt der eine, „Minden“ der andere. Ja, auch dort wurde einmal eine für die Briten bedeutsame Schlacht geschlagen – 1759 während des Siebenjährigen Krieges.

Sie kümmern sich in der BLB-Niederlassung Bielefeld um die Gaststreitkräfte (v.li.): Willi Jürgens, Marlies Henning, Constanze Zehn, Andreas Feismann, Abteilungsleiterin Karin Hofmeister, Heiner Südbrock, Harald Sander, Susanne Loges, Carmen Masmeier, Martina Lammering und Margret Schmidtmeier. Nicht im Bild ist Lothar Reckendrees. Foto: Carsten Pilz

Doch zurück nach Paderborn. Dort nutzten die Briten zwei weitere Kasernen. Im Herbst 2016 wurden die Allanbrooke Barracks aufgegeben. Bis dahin gingen im schönen Restaurant „The Rifleman“ die Soldaten ein und aus und schwärmten vom guten Essen und der freundlichen Atmosphäre in dem Neubau. Viele umliegende Gebäude sind schon sehr viel älter. Die Briten haben auch diese Kaserne nach dem Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht übernommen. Entsprechend dringlich war es zuletzt, mancherorts modernere Soldaten-Unterkünfte bereitzustellen. Das entsprechende Bau-Programm der Briten heißt „PUMA“. Und der BLB NRW hat es in Ostwestfalen umgesetzt. In den Athlone Barracks in Paderborn etwa entstanden 18 dreigeschossige Wohngebäude mit gut 300 Einzel-Appartements, auf dem Flugplatz in Gütersloh 13 neue Unterkunftshäuser mit Platz für mehr als 500 Soldaten und in der Catterick-Kaserne in Bielefeld vier Unterkunftsgebäude für rund 100 Uniformierte. „Es war interessant, für die Briten zu bauen. Und der Umgang miteinander war immer fair“, sagt Dietmar Lütgert, der 2013 in den Ruhestand gegangen ist. Auch die British Forces Germany loben ihre Gastgeber: „Das ist schon lange keine Besatzung mehr, das ist Freundschaft. Wir fühlen uns hier sehr wohl.“ Karin Hofmeister, die bis Mitte 2016 beim BLB NRW in Bielefeld die „Briten-Abteilung“ leitete, erinnert sich gerne an diese Begrüßungsworte beim jüngsten traditionellen Jahresempfang der britischen Garnison auf Schloss Neuhaus. Auch das jährliche Hochamt der Gast-Streitkräfte im Paderborner Dom trägt zum guten Miteinander bei.

 Sie sind vollgestopft mit Hightech zur Simulation von Gefechtssituationen. Foto: Thomas Range/gfp Köln

Historie und Rechtsstatus

Drei BLB-Niederlassungen bauen für die Briten

1945: Die britischen Streitkräfte sind Besatzungstruppen, Rechtsstellung gemäß Haager Landkriegsordnung von 1907

1955: bilateraler Truppenvertrag zwischen der Bundesrepublik und Großbritannien

1963: NATO-Truppenstatut plus Zusatzabkommen regelt „gleichberechtigte Partnerschaft“

1990: 2 plus 4-Vertrag / Deutsche Wiedervereinigung: Rechte und Verantwortlichkeiten der vier Mächte werden aufgehoben. Das Zusatzabkommen zum NATO-Truppenstatut (ZA NTS) wird überarbeitet.

2020: Voraussichtlich Abzug der letzten britischen Soldaten aus NRW

Die erforderlichen Bauvorhaben werden mit den für Bundesbauaufgaben zuständigen deutschen Behörden vereinbart und nach Maßgabe der geltenden deutschen Rechts- und Verwaltungsvorschriften und besonderer Verwaltungsabkommen in der Regel durch die besagten deutschen Behörden durchgeführt (Artikel 49 ZA NTS). Im Falle der Britischen Streitkräfte in Nordrhein-Westfalen nimmt diese Funktion der BLB NRW mit seinen Niederlassungen in Duisburg, Münster und Bielefeld war. Die Leitung/Fachaufsicht hat die Bauabteilung der Oberfinanzdirektion NRW. Die Bedarfe definieren die Gast-Streitkräfte in Abstimmung mit dem Bundesbauministerium und dem Bundesverteidigungsministerium. Eingebunden ist auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als Eigentümerin der militärischen Liegenschaften.

Hochschule für Musik

2012 wurden in NRW und Niedersachsen noch gut 18.000 britische Soldaten, etwa 2000 Zivilangestellte und mehr als 20.000 Familienangehörige gezählt – mit Schwerpunkten in Paderborn, Gütersloh und Mönchengladbach, wo im Stadtteil Rheindahlen bis 2013 das Hauptquartier der Briten angesiedelt war. Inzwischen ist es nach Bielefeld umgezogen.    

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